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Inhalt

Historie und Hintergrund

1. Das Projekt

Ehrenamtliche Medienboten bringen seit März 2007 älteren, hausgebundenen Personen, unabhängig davon, ob diese in den eigenen vier Wänden oder in einem Heim wohnen, Medien der Bücherhallen Hamburg kostenlos und regelmäßig in das private Umfeld. Nach einer von den Bücherhallen Hamburg durchgeführten Befragung haben etwa ein Viertel der in ihrer Mobilität eingeschränkten Bürgerinnen und Bürger großes Interesse an diesem Angebot, das sind mehrere Tausend Menschen in Hamburg. Ein vergleichbares Angebot gibt es in Hamburg bislang nicht, auch bundesweit existiert ein solcher ehrenamtlicher Service in dieser Ausprägung kein zweites Mal.

2. Ziele des Medienboten-Projektes

  • Zugang zu Bibliotheksdienstleistungen und die Teilhabe an Kultur ermöglichen

Für ältere, nicht (mehr) mobile Menschen ist das Lesen von Büchern oder die Nutzung anderer Medien erheblich mehr als nur ein unterhaltsamer Zeitvertreib, denn die aktive Mediennutzung bedeutet die Teilhabe an Kultur, Information und Bildung und ist eine Herausforderung, die geistig fit hält und zu einer möglichst lange währenden eigenständigen Lebensführung beiträgt.

  • Förderung der sozialen Integration

Mit diesem generationsübergreifenden Projekt wird nicht nur das Medien- und Kulturbedürfnis älterer, nicht (mehr) mobiler Menschen befriedigt, sondern auch deren soziale Integration und Lebensqualität steigen deutlich. Denn der vertrauensvolle Kontakt zum Medienboten fördert - neben der Erfüllung der kulturellen Interessen - die Teilhabe am sozialen Leben erheblich. Es entwickeln sich langfristige, intensive und wertvolle Kontakte für Menschen, die ihr Zuhause nicht verlassen können. Damit wird der Einsamkeit effektiv vorgebeugt.

  • Stärkung des bürgerschaftlichen Kultur-Engagements

Dem wachsenden Bedürfnis vieler Menschen, die sich im Kulturbereich ehrenamtlich engagieren wollen, trägt die 'Bücherhalle auf zwei Beinen' ebenfalls Rechnung: Bei den Medienboten finden altruistische Zeitspender ein sinnvolles Betätigungsfeld in ihrem jeweiligen Stadtteil - besonders reizvoll ist für viele die kulturell-soziale Kombination.

3. Kunden

Derzeit werden in Hamburg mehrere Hundert Kunden in Privathaushalten sowie weitere Personen in zahlreichen Senioren- und Behinderteneinrichtungen regelmäßig und zuverlässig von ihrem „persönlichen“ Medienboten besucht: Über 70 Prozent der Kunden sind älter als 70 Jahre, über 55 Prozent der Kunden sind über 80, rund zwölf Prozent sogar über 90 Jahre alt (Durchschnittsalter: 81 Jahre). Darüber hinaus arbeiten die Medienboten eng mit Institutionen und Personen, die bereits in vertrauensvollem Kontakt mit der Zielgruppe stehen (z. B. Essen auf Rädern, Pflegedienste, Hausärzte, Fußpflegedienste), zusammen: Diese Multiplikatoren dienen den Medienboten als 'Türöffner' bei Menschen, die aufgrund ihrer Lage, ihres Alters und der fehlenden Perspektive oftmals misstrauisch sind und Vertrauensbrücken brauchen. Auch institutionelle Kunden (Seniorenwohnanlagen, Tagesstätten) werden bedient, denn diese können für jeweils zwei bis drei Monate komplette Medienkisten ausleihen. Auf Wunsch lesen die Medienboten dort auch vor.

4. Ehrenamtliche

Weit über 100 Medienboten - jung und alt, Männer und Frauen - betreuen derzeit die Kunden. Viele Ehrenamtliche kümmern sich jeweils um einen Kunden, einige Zeitspender betreuen gern auch mehrere Personen.

5. Kundenakquise

Im März 2007 starteten die Medienboten in den Bezirken Altona und Eimsbüttel, mittlerweile wurde aufgrund des großen Bedarfes das Projekt auf ganz Hamburg ausgedehnt. Grundsätzlich wird nach Möglichkeit jede Kundenanfrage unabhängig vom konkreten Wohnort bedient - damit soll auch möglichst vielen am bürgerschaftlichen Engagement Interessierten die Möglichkeit gegeben werden, sich als Medienbote in ihrem jeweiligen Stadtteil vor Ort zu betätigen. Mittlerweile werden die Medienboten verstärkt auch für die Kundenakquise eingesetzt, also für die Gewinnung neuer Kunden in ihrem jeweiligen Stadtteil in unmittelbarer Wohnortnähe. Außerdem werden die Kontakte zu Institutionen und Multiplikatoren (Senioren-Institutionen, Kirchengemeinden, Tagesstätten, Pflegedienste, Essen-Auf-Rädern) weiter intensiv gepflegt und ausgebaut. Ergänzend zu dieser systematischen Netzwerkarbeit unterstützen eine kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (lokal, regional, überregional), Plakate und Flyer in allen 36 Bücherhallen-Standorten sowie die Teilnahme an Wettbewerben das Projekt öffentlichkeitswirksam.

6. Medien und Personal

Zur Abwicklung des Projektes wurde in der Bücherhalle Holstenstraße ein Sonderbestand mit 4.000 Medien, darunter 1.800 Hörbücher, aufgebaut, so dass es durch die Ausleihen der Medienboten-Kunden nicht zu Engpässen im normalen Bücherhallen-Bestand kommen kann - insbesondere die Hörbücher werden sehr stark nachgefragt. Außerdem haben diese speziellen Medien keine Fristbeschränkung, so dass für den hausgebundenen Entleiher keine Versäumnisgebühren anfallen. Zur Auswahl der Medien erhält jeder Kunde und jeder Ehrenamtliche einen Bestandskatalog.

7. Qualitätsmanagement

Permanente Qualitätskontrollen sind selbstverständlich: Einkauf der Medien, Buchhaltung sowie Marketing und Fundraising durch bibliothekarisches Fachpersonal, sorgfältige Auswahl der Ehrenamtlichen durch die hauptamtliche Projektleitung (individuelle Einstellungsgespräche), Beschäftigungsverträge, die Rechte und Pflichten beider Seiten regeln, sowie die Kontrolle, dass die Besuche regelmäßig erfolgen. Durch professionelle Fortbildungen wird eine hohe Arbeitsqualität der Zeitspender gewährleistet: Mehrmals im Jahr werden Seminare zu ‚Vorlesen lernen’, Literatur (Klassiker, Neuerscheinungen, Biographien, Literaturgeschichte, Internetrecherche etc.), aber auch im Bereich ‚Kommunikation mit älteren Menschen’ oder ‚Demenz’ angeboten. Ergänzend dazu gibt es monatliche Treffen zum Erfahrungsaustausch - und selbstverständlich auch gesellige Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern. Als ‚Gegenleistung’ für das bürgerschaftliche Engagement erhalten die Ehrenamtlichen eine kostenlose Bücherhallen-Kundenkarte (45 Euro). Außerdem werden die Fahrtkosten erstattet, und für jeden Ehrenamtlichen wird eine Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen - alle diese Bausteine zusammen sind unverzichtbare Bestandteile der Anerkennungskultur, die den Bücherhallen sehr wichtig ist.

8. Finanzierung und Entwicklungsperspektive

Die für dieses Projekt gegründete gemeinnützige 'Bücherhallen Medienprojekte GmbH' konnte sich in der bis Ende Februar 2009 laufenden Pilotphase durch die Unterstützung zahlreicher Förderer und Kooperationspartner selbst finanzieren (u. a. G. und L. Powalla Bunny’s Stiftung, Elisabeth-Kleber-Stiftung, Baugenossenschaft freier Gewerkschafter, Collette-Hecht-Stiftung, Stiftung Deutsches Hilfswerk (ARD Fernsehlotterie), Bauverein der Elbgemeinden, Baugenossenschaft der Buchdrucker, Montblanc International. Da das Projekt diesen Pilotzeitraum jetzt hinter sich gelassen hat, ist zukünftig nur noch mit erheblich geringeren Drittmitteln als bislang zu rechnen. Die Finanzierung der hauptamtlichen Projektleitung der gGmbH ist mit Hilfe der Förderung durch die Behörde für Kultur und Medien gesichert, die übrigen Kosten (Medienkauf, Fahrtkosten, Öffentlichkeitsarbeit, Katalogdruck) müssen weiterhin extern akquiriert werden, um das Projekt weiterentwickeln zu können. Insofern ist jede Spende herzlich willkommen (Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Konto 1001 213 428). Auch gut erhaltene Buchspenden werden gern entgegen genommen. Das Projekt wird auch langfristig nur mit einem gewissen finanziellen Aufwand zu realisieren sein, denn eine individuelle, zeitintensive und auf jeden einzelnen Kunden zugeschnittene Dienstleistung verursacht trotz des hohen ehrenamtlichen Engagements naturgemäß einige Kosten. Kurz: Auch Ehrenamtsprojekte kosten Geld.


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