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Datenschutz aktuell: RFID bei den Bücherhallen Hamburg

Eine Information des betrieblichen Datenschutzbeauftragten der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen, Herrn Dr. Uwe Schläger von der Firma datenschutz nord GmbH, zur geplanten Einführung RFID-basierter Medienetiketten:

Liebe Kundinnen und Kunden der Bücherhallen Hamburg,

seit nunmehr vier Jahren begleite und berate ich die Bücherhallen als externer betrieblicher Datenschutzbeauftragter bei allen Fragen rund um Datenschutz und Datensicherheit. In dieser Funktion ist es meine gern wahrgenommene Aufgabe, Sie, die Kundinnen und Kunden der Bücherhallen Hamburg, über datenschutzrelevante Themen aktiv zu informieren, denn Transparenz in der Datenverarbeitung ist nicht nur eine Voraussetzung vieler Datenschutzvorschriften, sondern meiner Erfahrung nach auch die beste Grundlage für eine vertrauensvolle Kundenbeziehung. Aus gegebenem Anlass möchte ich Sie daher nachfolgend über die geplante Einführung RFID-basierter Medienetiketten informieren.

Wie viele andere Kultureinrichtungen auch, sind die Bücherhallen trotz knapper Mittel stets darum bemüht, den Betrieb der Bücherhallen und insbesondere die Ausleihe komfortabler und effizienter zu gestalten. 

Vor diesem Hintergrund planen die Bücherhallen, zum ersten Quartal 2007 die Medien der Zentralbibliothek mit sog. RFID-Tags bzw. -Chips zu versehen. Über diese in der Logistik-Branche bereits seit Jahren verwendete Technologie ist in der Vergangenheit bereits viel öffentlich diskutiert worden (Auslöser war dabei der sog. "Metro Future Stor", in dem mittels RFID-basierter Kundenkarten die Konsumgewohnheiten von Kunden nachvollzogen werden konnten), die öffentliche Diskussion ist dabei - aus allen Richtungen - nicht immer sachlich geführt worden. Als externer Datenschutzbeauftragter der Bücherhallen Hamburg möchte ich daher dazu beitragen, dass die Einführung dieser Technologie mit größtmöglicher Transparenz für Sie als Nutzer erfolgt. Mein Anliegen ist es, Sie auf einer sachlichen Ebene über die Details der geplanten Einführung zu informieren, um so Unsicherheiten, Halbwahrheiten und Gerüchte nach Möglichkeit zu vermeiden und damit das Thema insgesamt zu "entemotionalisieren".

Was ist RFID?

RFID-Chips (RFID steht für Radio Frequency Identification) ermöglichen das berührunglose unsichtbare und damit wesentlich schnellere Erfassen von Daten zu einem Gegenstand, als dies bei den bekannten Barcodes (Strichcodes) möglich ist: Während Barcodes jeweils einzeln nacheinander eingescannt werden müssen, erlauben es RFID-Chips, die entsprechende Medien-Nummer erheblich schneller, bzw. - unter günstigen Bedingungen -  mehrere Medien gleichzeitig innerhalb eines Lesevorgangs zu erfassen.

Wie funktioniert die Technik?

RFID-Systeme bestehen aus einem Transponder (Etikett bzw. Tag oder Chip), der die zu speichernden und bei Bedarf zu übermittelnden Informationen enthält (Medien-Nummer) und einem oder mehreren Lesegeräten, welche die im Transponder enthaltenen Informationen auslesen. Passive RFID-Chips, wie sie für den Einsatz bei den Bücherhallen vorgesehen sind, funktionieren dabei nach folgendem Prinzip: Das Lesegerät generiert ein magnetisches Wechselfeld, das über seine Induktionswirkung im Antennenkreis des RFID-Chips eine Spannung induziert. Diese elektrische Spannung dient der Versorgung der auf dem Chip vorhandenen Steuerlogik. Erkennt der RFID-Chip, dass er sich im Feld eines Lesegerätes befindet, sendet er zunächst seine Seriennummer durch die Modulation des magnetischen Wechselfeldes an das Lesegerät. Dieses kann nun den Chip selektieren und die gespeicherten Informationen auslesen.

Welche Daten werden verarbeitet?

Bevor ich nachfolgend die Details erläutere, erlauben Sie mir eine Information vorab: Mit der RFID-Technologie werden dieselben Daten verarbeitet, wie mit der herkömmlichen Barcode-Methode, das heißt die neue Technik erfordert und bringt keine zusätzliche Datenverarbeitung mit sich!

Im Detail:

Jeder RFID-Chip enthält eine Serien-Nummer (sogenannte UID), die nicht veränderbar ist und keinerlei Bezug zu dem damit verbundenen Gegenstand hat.

Die Bücherhallen Hamburg selbst speichert auf dem Chip folgende Informationen:

  • die Medien-Nummer
  • die Selbstverbuchungsfähigkeit (ja/nein)
  • das Kürzel der ausleihenden Bibliothek
  • den Status (verbucht/nicht verbucht)
  • die Mehrteiligkeit des Mediums
  • die Anzahl der Teile
  • die Nummerierung der Teile

Mit der Medien-Nummer kann ein Personenbezug nur dann hergestellt werden, wenn

  • sich der Nutzer identifziert (zum Beispiel bei einem Verbuchungsvorgang mit Unterstützung einer Mitarbeiterin) und
  • dabei die Medien-Nummer vom System interpretiert und der Medien-Titel angezeigt wird.

Unter diesen Voraussetzungen handelt es sich bei der Medien-Nummer um eine personenbeziehbare Einzelangabe und damit im juristischen Sinn um ein personenbezogenes Datum im Sinne des § 3 Abs. 1 BDSG (mit dem Inhalt, dass der Leser XY das Medium YZ ausleiht beziehungsweise ausgeliehen hat).

Ist ein Missbrauch der Daten möglich?

Nein. Über die Medien-Nummer kann nur innerhalb des Bücherhallen-Bibliothekssystems das Medium identifiziert werden (siehe oben). Außerhalb der Bücherhallen ist die Medien-Nummer nicht interpretierbar, das heisst sollte jemand mit einem geeigneten Lesegerät die Medien-Nummer auslesen, könnte derjenige mit dieser Information nicht ermitteln, welches Buch, CD oder DVD Sie ausgeliehen haben.

Werden auch die Bücherhallen-Kundenkarten auf RFID umgestellt?

Nein, RFID-Kundenkarten sind nicht geplant. Die Bücherhallen-Kundenkarten, die seit Februar 2005 ausgegeben werden, sind Magnetkarten (keine RFID-Karten) und enthalten lediglich die fortlaufende, informationslose Kundennummer.

Wer welches Medium ausgeliehen hat, wird nur in der zentralen Datenbank, nicht im Buch-RFID-Etikett gespeichert. Und: in der Datenbank wird stets nach der Rückgabephase – wie auch bisher - grundsätzlich die Information gelöscht, wer welches Medium einmal entliehen hatte.

Was bringt mir als Leser/in die Umstellung auf RFID?

Als Leser/in profitieren Sie von der Umstellung auf die RFID-Technologie vor allem in Form einer komfortableren Ausleihe: Durch die Möglichkeit des wesentlich schnelleren Erfassens der Medien dürften Wartezeiten, wie sie derzeit in Stoßzeiten genauso üblich wie ärgerlich sind, der Vergangenheit angehören. Darüber hinaus wird es möglich sein, dass Sie mit Hilfe sogenannter Selbstverbuchungsterminals selbst die Medien ausleihen können, d.h. nicht mehr auf die Hilfe unserer Mitarbeiter/innen angewiesen sein werden. Selbstverständlich werden Ihnen diese auch weiterhin bei der Verbuchung und bei allen Fragen gern behilflich sein - wer es jedoch eilig hat, kann zukünftig alternativ die schnelle Selbstverbuchung wählen.

Fragen, Anregungen und Kritik:

Zu diesem Thema werden gerade aufgrund der teilweise hitzigen Diskussion in der Öffentlichkeit zukünftig sicherlich Fragen auftauchen, die ich Ihnen als Datenschutzbeauftragter der Bücherhallen Hamburg gern beantworten möchte. Sprechen Sie mich hierzu bitte per Email unter der angegebenen Email-Adresse an. Ich freue mich auf eine sachliche, lebhafte Diskussion!

Dr. Uwe Schläger
datenschutz nord GmbH. Betrieblicher Datenschutzbeauftragter der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen
E-Mail: uschlaeger@datenschutz-nord.de


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