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Lehrer und Eltern können ein Lied davon singen: Mädchen lesen viel und die Jungen gar nicht. Was ist da zu tun, damit auch sie endlich zu lesen anfangen und ihre Verweigerungshaltung überwinden? Soll man sie überlisten mit Büchern, die sie attraktiv finden? Auch wenn sie "schlecht" sind?
Der Hinweis von Frau Prof. Christine Garbe vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Lüneburg Jungen lesen anders ist bemerkenswert. Denn damit konstatiert sie mehr als dass die Jungen im Gegensatz zu den Mädchen Sachbücher, Krimis, Fantasy-, Horror- und Abenteuerprosa und Comics bevorzugen. Jungen lesen nicht nur etwas anderes, sie lesen überhaupt anders. Sie stellen andere Ansprüche an das Lesen.
Mädchen lesen fiktive Literatur, um sich in Figuren und Lebensgeschichten einfühlen zu können. Das geht Jungen nicht so. Sie wollen nicht mit den Gefühlen anderer konfrontiert werden, um sich darin wiederzufinden. Sie reagieren mit Abwehr. Sie lesen, um sich zu entspannen, abzulenken oder ein unbekanntes Abenteuer mitzuerleben. Und sie orientieren sich an ihren Interessen und Hobbys und wollen hierfür zielgerichtet Informationen abfragen.
Jungen und Mädchen haben ja nicht nur unterschiedliche Interessen, sie sprechen auch unterschiedliche Sprachen. Jungen teilen sich oft über ihr Verhalten mit, Mädchen dagegen über Beziehungen. Daraus resultieren jeweils andere Qualitäten. Jungen können besser mit der Realität der materiellen Umwelt umgehen und Mädchen eher mit der Realität der Beziehungen.
Das schlägt sich auch in der Lesekompetenz nieder. So gehen Jungen kompetenter mit der Kombination aus Schrift, Illustration und Grafik in Sachbüchern um als Mädchen. Allerdings wird das, was Jungen tatsächlich lesen, nicht sonderlich geschätzt bzw. gar nicht erst gesehen. So ist z. B. Lesen, das mit Internet- oder Computernutzung einhergeht, kein Lesen und Zeitschriften, Magazine oder Ratgeber sind keine Bücher. Vorlesen bedeutet das Vorlesen fiktiver Literatur, Vorlesen aus Sachbüchern ist ganz unüblich.
Das Umfeld der Jungen (Institution Kita und Schule, insbesondere Grundschule und häufig auch die Familie) ist weitgehend geprägt durch weibliche Strukturen. Die Jungen haben hier nur schwer die Möglichkeit, sich an männlichen Vorbildern zu orientieren. Auch die Leseförderung ist ja eine weitestgehend weibliche Domäne und ist, das verrät schon der Begriff -förderung, ambitioniert.
Leseförderung soll den Erwerb von Sprachkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und Sozialkompetenz ausbilden, um drei hochgesteckte Ziele herauszugreifen, und, was zudem die Jungen betrifft, soll die Literatur so gewählt sein, dass sie jungentypische Defizite, oder was dafür gehalten wird, ausgleicht. Dabei ist es oft ein unbewusstes Vermittlerproblem, dass gut und richtig für das Kind gehalten wird, was „mir selbst gefällt oder in dem Alter gefallen hat“, und das ist zumeist die (fiktive) realistisch gestaltete Problemgeschichte. Allenfalls wählt man für die Jungen Bücher aus, in denen der Protagonist eben ein Junge ist.
Nimmt man dagegen die Jungen so ernst wie die Mädchen, muss man sich seiner eigenen geschlechtsbedingten Rolle bewusst sein. Man muss nicht nur die Freizeitlektüre der Jungen wissen, sondern sie auch (mit)lesen, d.h. kennen und damit die Jungen besser verstehen lernen.
Hier sei spätestens vermerkt, dass die Jungen nicht naturgesetzlich so sind und die Mädchen entsprechend ganz anders. Nicht jeder Junge mag Fußball, nicht jedes Mädchen bastelt gern. Ein Überbewerten der geschlechtstypischen Unterschiede kann die Geschlechtsstereotype, die es zu überwinden gilt, gerade heraufbeschwören. Außerdem erzielt das Lesen natürlich nicht bei jedem Jungen die gleiche Wirkung. Jede Lesesozialisation verläuft bedingt durch die vielfältigen individuellen Unterschiede anders.
Geschlechtsspezifische Leseförderung soll keine sich gegenseitig ausschließende Geschlechtertrennung vollziehen. Anstatt die Benachteiligungen und Übervorteilungen gegeneinander aufzurechnen, sollte vielmehr ein differenzierender Blick auf beide Geschlechter, ihre unterschiedlichen Interessen und Lebenslagen geworfen werden.
Leseförderung für Jungen bedeutet dann vielmehr, die Jungenbefindlichkeiten umfassender wahrzunehmen und im Hinblick auf das Lesen neue Perspektiven für die Jungen entwickeln. Die angebotenen Medien sollen keine programmatische Hilfestellung (z.B. zum Thema Gewalt) bieten oder gar auf Behebung von sozialen Defiziten zielen, sie sollen den Jungen Spaß machen (wobei sich der nun mal oft nicht auf der ersten Seite einstellt und Jungen dann eher „aufstecken“ als Mädchen), sie sollen sie zentral interessieren und bei der geschlechtlichen Identitätsfindung ansprechen.
In vielen Kinderbibliotheken stellt sich das Bibliotheksteam die Frage, ob es Mädchen und Jungen gezielt geschlechtsbezogene Angebote machen soll oder nicht. Dabei wird häufig verkannt, wie weitgehend, wenn auch nicht programmatisch, die Bibliothek mädchenorientiert ist. "Nahbereiche", wie Pferde, Liebe und Freundschaft, Familie und Schule, sind nur die offensichtlichsten.
Nicht nur durch diese Medienangebote, sondern auch in Bibliotheksveranstaltungen und im "Beratungsgespräch" mit dem Bibliotheksteam erfahren die Mädchen in der Regel eine größere Wertschätzung als die Jungen, wohl weil sie sich den betrieblichen Gepflogenheiten einer Bibliothek angepasst und dem in der Regel weiblichen Bibliothekspersonal zugewandter als Jungen "benehmen".
Der Kinder- und Jugendbuchautor Christian Bienek bemerkte in einem Interview, das er dem MDR zum Thema Jungen und Lesen gab, sehr treffend: "Dieses Kinder- und Jugendbuchding ist ein einziges Frauending. Wenn ich auf Lesereise gehe, sehe ich nur Frauen: Bibliothekarinnen, Buchhändlerinnen, Deutschlehrerinnen, gelegentlich mal einen Mann, und der entschuldigt sich noch und meint: Ich wollte nur meine Frau abholen. Da ist es doch kein Wunder, dass Jungs es schwer haben einen Zugang zu finden. Die andere Sache ist die: Wenn ich als Junge in einen Buchladen gehe, klappe ein Buch auf und da steht: 'Nur für Mädchen' oder 'Freche Mädchen', oder 'Nix für Jungs', so heißen ja diese ganzen Reihen, da würde ich als Junge sagen, das ist nichts für mich."
Um geschlechtsbezogene Angebote in der Bibliothek zu machen, ist es nicht damit getan, lediglich auch die Medien "extra zu stellen", die die typischen Interessen der Jungen abbilden, allem voran die Fußballbücher. Die Mitarbeiter in der Bibliothek stehen genau genommen nicht vor der Frage, ob sondern warum sie gezielt geschlechtsbezogene Angebote machen und mit welchem Ziel. Erst dann lässt sich das wie speziell für die Jungen beantworten.
Für die Erarbeitung der "Standortbestimmung in der Genderfrage" des eigenen Bibliotheksteams sind unserer Meinung nach bestimmte Kompetenzen zu erwerben. Hierbei übertragen wir zuweilen Ansätze von Tim Rohrmann aus: Jungen in Kindertagesstätten. Ein Handbuch zur geschlechtsbezogenen Pädagogik. Lambertus-Verlag 1998 auf die Bibliotheken.
Ein Kriterium ist die Einbindung geschlechtsbewusster Reflexion in die Bibliotheksarbeit. Die Frage, ob von einer Gleichheit oder Differenz der Geschlechter auszugehen ist, und ob diese Differenz angeboren, d.h. biologisch gesteuert, oder sozialbedingt erworben wird, ist zwar immer wieder "die Gretchenfrage". Die neue Genderforschung betont dagegen den Aspekt, dass Geschlechtsidentität aktiv entwickelt und gestaltet wird (doing gender). Für Bibliotheken heißt das, dass sie eine Institution sind, die an diesem Prozess nolens volens beteiligt sind und ihn somit beeinflussen, sogar mitsteuern.
Deshalb ist zum einen die Selbstreflexion so wichtig. Die Haltung, die die Mitarbeiter gegenüber Jungen und Mädchen einnehmen, hängt weniger von theoretischen Standpunkten ab, als vielmehr von der eigenen Biografie und vom Selbstbild als Frau (oder Mann), ist also keine ausschließlich bewusste. Die Kinder wiederum orientieren sich bei ihrer geschlechtlichen Identitätsfindung maßgeblich daran, wie sich ihnen die Erwachsenen als Frau oder Mann präsentieren (und das auch in der Medienvermittlung).
Zum anderen muss sich die Bibliothek bei der Bestimmung ihrer Ziele professionelle Unterstützung holen, und zwar nicht nur von Medienpädagogen (-pädagoginnen), sondern von Fachkräften der Bildungseinrichtungen wie Kita, Schule und Eltern, die sich schon länger mit Geschlechterfragen herumschlagen, und hierbei dezidiert auch von in diesen Fragen beschlagenen Männern. Weiblich geprägte Muster erschweren den Kompetenzerwerb für die Berücksichtigung geschlechtbezogener Aspekte.
Was die Zielsetzung im Hinblick auf jungenspezifische Bibliotheksangebote betrifft, sind Fragestellungen, wie diese, denkbar:
Da es ja den Mädchen- oder Jungenkönigsweg zur geschlechtlichen Identität nicht gibt, müssen Bibliotheken Jungen und Mädchen ein vielfältiges Medienrepertoire anbieten, dabei müssen ihnen durchaus auch ungewohnte Sichtweisen zugemutet werden.
Ausgehend von aktuellen Untersuchungsergebnissen zur Dringlichkeit der Leseförderung von Jungen und der Tatsache, dass es zum damaligen Zeitpunkt nur rudimentäre Programme speziell für Jungen in Bibliotheken gab, wurde ein Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), Fachbereich Bibliothek und Information, mit der Seminarleiterin Frau Prof. Birgit Dankert, und der Kinderbibliothek Hamburg sowie der Kindermedienlektorin der Bücherhallen Hamburg, Frau Kantelhardt, initiiert. Ein vielfältiges Programm für Jungen wurde entwickelt und exemplarisch in der Kinderbibliothek präsentiert. "Ran an die Jungs", hieß das umgangssprachliche Arbeitsmotto.
Um neue Sichtweisen zu entwickeln, sprach Frau Prof. Garbe in ihrem Vortrag vor Kollegen der Bücherhallen Hamburg und dem Seminar über: Mädchen lesen ander(e)s – wie kommen die Jungen zum Buch?
Die studentischen Arbeitsteams befassten sich mit verschiedenen Aufgaben:
Praktische Ergebnisse aus dem Seminar waren unter anderem:
Die Multimedia-Rucksäcke hat die Kinderbibliothek Hamburg inzwischen „adoptiert“ und in das Bibliotheksprogramm aufgenommen. Sie werden von den Kunden angenommen und finden innerhalb und außerhalb der Kinderbibliothek eine positive und zugleich kritische Resonanz. Die Projekte werden im folgenden detailliert beschrieben.
Die Rucksäcke sind mit 4 bis 5 Medien bepackt. Die Medienauswahl in jedem Rucksack ist multimedial und entspricht damit den Medienvorlieben von Jungen. Neben den Medien enthalten sie dem Thema entsprechend kleine Spielzeuge, z.B. eine Piratenflagge und Augenklappe.
Die 13 Themen der Rucksäcke orientieren sich an den Genres, die nach den Erkenntnissen der Kindermedienforschung Jungen bevorzugen. Sie sprechen Jungen spielerisch und rollentypisch als Kapitäne (ab 4 Jahre), Ritter, Indianer, Piraten (ab 6). Sternengucker, Naturforscher, Experimentemacher (ab 8), Römer, Spaßmacher, Denker, Fußballer (ab 10) und Drachenreiter (ab 12) an. Die Themen können bei veränderter Nachfrage jederzeit durch neue ersetzt oder ergänzt werden. Wir bitten die Jungen bei der Rückgabe um ihre Meinung. Präsentiert werden die Rucksäcke auf einer für diesen Zweck entworfenen Säule.
Orientierung in der Auswahl bieten der Kindermedienmarkt und häufig in der Kinderbibliothek nachgefragte Sach- und Erzählthemen. Der Rucksack für "Echte Kerle" ist eine Rarität. Er ist mit Medien gefüllt, die Geschlechterstereotypen und alte Rollenverständnisse kindgerecht, witzig und unverkrampft in Frage stellen. Es können in Zukunft mehrere werden, wenn der Buchmarkt entsprechende Jungenbücher bietet.
Zwei Drittel der Rucksäcke sind ständig ausgeliehen und die Rückmeldungen auf ihre Inhalte sind positiv. Sie werden als eine von der Bibliothek mit Bedacht zusammengestellten "Medienempfehlung" zu einem Thema verstanden. Jungen und Väter leihen sie als "selbstverständliches" Bibliotheksangebot aus.
Die großen und kleinen weiblichen Kunden aber reagieren mit erstauntem Interesse. Mütter fragen für ihre Töchter nach, ob diese nicht ausnahmsweise einen Rucksack ausleihen könnten, wann es ein entsprechendes Angebot für Mädchen gäbe, die doch - von uns unbestritten – auch Piraten, Drachenreiter oder Denker seien. Es ergeben sich interessante Diskussionen, in denen das Kinderbibliotheksteam über sein spezielles Leseförderungskonzept für Jungen informieren und ihr besonderes Angebot vorstellen kann, das Jungen neugierig auf Medien machen und ihre Leselust wecken möchte.
Im Gespräch öffnet sich – so haben wir es erfahren - für die Kunden und für das Bibliotheksteam der Blick auf geschlechtsbezogene Angebote und darauf, wie viele es unausgesprochen für Mädchen in Bibliotheken gibt.
Das Studententeam, das diese Veranstaltung für Väter und ihre Söhne geplant und durchgeführt hat, beschreibt seine konzeptionellen Überlegungen:
"Wir beschlossen die Veranstaltung für Jungen in einem Alter zwischen 6 und 11 Jahren zu konzipieren. Uns war aus dem Seminar bekannt, dass gerade in diesem Lebenszeitraum die meisten Jungen zu 'Nichtlesern' werden. Der für uns wichtigste Grund dafür ist, dass den Jungen männliche, lesende Vorbilder fehlen. Zuhause lesen meistens die Mütter vor, in der Schule, vor allem der Grundschule, wird Lesen hauptsächlich von Lehrerinnen vermittelt. Das führt dazu, dass das Lesen vorwiegend als 'weiblich' erlebt wird und den Jungen keine Möglichkeit zur Identifikation bietet. So entschlossen wir uns für eine Lösung, bei der die Väter als Vorleser aktiv miteinbezogen werden und ein gemeinsames Leseerlebnis von Männern und Jungen ermöglicht wird. Die Väter gewannen wir über direkte Ansprache samstags in der Kinderbibliothek und über die Mütter zur Mitarbeit."
Nach langen Überlegungen entschieden wir uns für das Thema 'Wüste und Orient'. Im Laufe der Arbeit entstand das Motto 'Lesekarawane', unter dem der Vorlesenachmittag laufen sollte. Für das Thema 'Wüste und Orient' entschieden wir uns nicht zuletzt deswegen, weil die angespannte Lage zwischen den westlichen Ländern und der arabischen Welt eine friedliche Annäherung an diesen Kulturkreis notwendig macht. Dadurch kann Interesse geweckt und Vorurteilen vorgebeugt werden. Wir wollten eine Veranstaltung, die auch einen Erlebniswert hat und haben deswegen fünf Stationen mit jeweils eigenem Charakter entwickelt, zwischen denen sich die Teilnehmer bewegen sollten."
Dem Bewegungsdrang der Jungen sollte auf diese Weise Rechnung getragen werden. Jede/r (Student/in) wählte nach dem eigenen Geschmack ein Buch, aus dem vorgelesen wurde, natürlich sollte der jeweilige Abschnitt unmittelbar mit dem Thema 'Wüste und Orient' in Zusammenhang stehen.
Um den Erlebniswert der Veranstaltung zu erhöhen und die Illusion Orient perfekt zu machen, haben wir die Bibliothek so weit wie möglich verdunkelt und den Zeitpunkt auf den späten Nachmittag gelegt, ein Zeitpunkt zu dem es im Winter bereits dämmert. Im Dunkeln, bzw. bei Kerzenschein, wirkt alles gleich viel geheimnisvoller und gemütlicher. Selbst einfachste Dekorationen kommen effektvoll zur Geltung. Ein weiterer Vorteil der Dunkelheit ist, dass die fünf verschiedenen Stationen (mit den geheimnisvoll klingenden Namen: 'Fliegender Teppich', ' Gruft des Pharaos', 'Geheimnisvolle Verwandlung', 'Wüste der Faulheit' oder die 'Oase der Sinne') nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, und die Kinder so richtig auf die Suche gehen können. Auf diese Weise können auch sehr kleine Bibliotheken viele Stationen auf kleinstem Raum realisieren. Bereiche, die noch nicht entdeckt werden sollen, werden einfach im Dunkeln gelassen oder mit Tüchern verhängt. Zur Eroberung der Dunkelheit bekommt jedes Kind eine kleine Taschenlampe. Schließlich haben wir die Karawane auch durch normalerweise 'verbotene' bzw. verborgene Bereiche der Bibliothek ziehen lassen. In unserem Fall waren dies die Küche und der Keller der Bibliothek.
Die abenteuerlichste Station, die 'Gruft des Pharao' lag im labyrinthischen Keller des Grindelhochhauses, in dem die Bibliothek zu dem Zeitpunkt ihr Domizil hatte. Aufgabe war es, Dutzende von Kelleräumen zu passieren. Die 'Gruft des Pharao' befand sich im Kellerraum der Kinderbibliothek, in den es zu gelangen galt. Der Eingang lag versperrt hinter einer hohen, aufgestapelten Bücherwand, die einen echten - präparierten -Skorpion verbarg, der den Zugang zur Tür verwehrte. Erst nachdem die Gefahr gebannt war, wurde noch im Keller aus dem Buch: 'Die Kinder des Dschinn' von P.B. Kerr vorgelesen, und zwar die Passage des Buches, die den Studenten die dramaturgische Idee zur Gestaltung dieser Station gab.
Die Studenten bewerteten ihre Veranstaltung als Erfolg: "Die meisten Väter haben gerne vorgelesen und die Jungen hatten ihre Freude daran. Die Kinder haben sich sehr engagiert und gut auf die vorgelesenen Geschichten sowie die Rahmenhandlung eingelassen. Veranstaltungen dieser Art können dabei helfen, den Jungen Lesekompetenz als etwas (...) Männliches zu vermitteln und sie dabei unterstützen, eine positive Einstellung zum eigenen Lesen zu gewinnen. Die Veranstaltung war gut besucht, zehn Väter mit elf Kindern, was auch das obere Limit für die Teilnehmerzahl darstellte."
Soweit die Einschätzung der StudentInnen. Ihr Fazit entspricht dem des Bibliotheksteams: Das Prinzip einer Vorlese-Veranstaltung mit Erlebniswert ist einfach und weckt die Freude am Buch und hoffentlich die Lust am Vor- und Selberlesen. Die Form der Veranstaltung ist flexibel und damit übertragbar auf Kindergärten, Schulen und andere Öffentliche Räume. So fragte auch ein Jugendherbergsvater nach dem Veranstaltungskonzept. Schön war es, dass dem Studententeam auch ein Mann angehörte und damit auch auf Veranstalterseite ein männlicher Mentor als Lesevorbild aktiv wurde. Der Samstag ist ein guter Veranstaltungstag, da er ein beliebter Unternehmungstag von Vätern und ihren Kindern ist. Eine Teilnehmerbegrenzung ist notwendig.
In der dekorativen Ausstattung wurden die Studenten vom Besitzer einer Orientalischen Galerie aus der Nachbarschaft der Kinderbibliothek unterstützt. Er scheute sich nicht, den Studenten Orientteppiche, Teekessel usw. zur Verfügung zu stellen, die den Bibliotheksraum wirkungsvoll illuminierten.
Das Team hält an einem Veranstaltungsangebot für Jungen und ihre Väter als Hauptprotagonisten fest, weil die Väter über die Lebenserfahrung Mann zu sein verfügen und selbst auch Söhne sind. Sie sind, nicht nur für ihre Jungen, sondern nebenbei auch, für das durchgängig weibliche Bibliotheksteam der Kinderbibliothek Experten und wertvolle Partner, deren männliche Kompetenz zum Gelingen der Veranstaltung beiträgt. Eine gezielte Kontaktaufnahme zu Väterzentren und Organisationen, die Väter als Zielgruppe ansprechen, ist wirkungsvoll. Dort sind aktive Väter anzutreffen, die gemeinsam mit anderen Vätern vielfältige Formen von gelebter Vaterschaft (weiter)entwickeln.
Das detaillierte schriftliche Konzept des Studententeams der HAW kann von interessierten Einrichtungen bei der Kinderbibliothek angefordert werden.
Unser aktuelles Veranstaltungsangebot für Kinder können Sie der Veranstaltungsdatenbank entnehmen.