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Erinnern vor Ort: Stolpersteine in Hamburg-Horn

31.01.2012

Seit der Kölner Künstler Gunter Demnig 1995 den ersten Stolperstein verlegte, um an die Opfer der Nationalsozialisten zu erinnern, wurden in über 500 deutschen Städten Gedenksteine verlegt. Im Sommer 2002 holte der Hamburger Peter Hess dieses Projekt, das sich durch Patenschaften finanziert, in die Hansestadt, wo seitdem mehr als 3.500 Stolpersteine vor den letzten selbst gewählten Wohnungen der NS-Opfer verlegt wurden.

In der Veranstaltung, die am Abend des 26. Januar 2012 in der Bücherhalle Horn angeboten wurde, standen die Stolpersteine im Stadtteil Horn im Mittelpunkt.

Mehr als 40 Besucher hatten sich trotz klirrender Kälte auf den Weg gemacht, um an der Kooperationsveranstaltung der Bücherhalle Horn mit der Geschichtswerkstatt Horn, der Stadtteilschule Horn, der Wichern-Schule und der Ev.-luth. Kirchengemeinde Hamburg-Horn teilzunehmen.

Vortrag von Schülerinnen der Stadtteilschule Horn in der Bücherhalle Horn

Nach der Begrüßung durch Bücherhallenleitung Susanne Märtens, stellte Hildegard Thevs, die viele Opferbiografien recherchiert hat, die Broschüre "Stolpersteine in den Hamburger Stadtteilen Billstedt - Horn – Borgfelde" vor. Sie gab einen Überblick, welche Personengruppen von der Verfolgung durch die Nazis besonders betroffen waren und berichtete von den Schwierigkeiten und deren Ursachen bei den Recherchen zu den Schicksalen der Ermordeten.

Anschließend hatte die Jugend das Wort. Zunächst berichteten Schülerinnen der Stadtteilschule Horn, wie sie sich den Themen Nationalsozialismus und Stolpersteine genähert- und sich im Rahmen einer Projektwoche intensiv auseinandergesetzt haben. Ihre erworbenen Kenntnisse gaben sie an andere Schüler und Lehrer weiter, am "Tag der offenen Tür" ihrer Schule organisierten sie einen Informationsstand und sammelten Spenden für Stolpersteine, die direkt vor der Schule verlegt werden sollten. Es gelang ihnen die beeindruckende Summe von 650,-- Euro zu sammeln – fast doppelt so viel, wie für die Gedenksteine vor der Schule erforderlich war.

Im November wurden die Steine verlegt und mit einer Gedenkfeier am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, fand das Projekt seinen Höhepunkt und Abschluss. Die Schüler lasen bei den Stolpersteinen aus den von ihnen recherchierten Biografien der Ermordeten, trugen Gedichte vor, musizierten und legten Blumen auf den Gedenksteinen nieder.

Auch die Wichern-Schule, in deren Umkreis 13 Stolpersteine liegen, hat es sich zur Aufgabe gemacht mit den Schülern eine lebendige Erinnerungskultur zu entwickeln. Jedes Jahr findet in der Osterwoche in gemeinsamen Aktionen mit anderen Schulen ein "Stolpersteintag" statt.

Schüler der Wichernschule musizieren in der Bücherhalle Horn

Die Stolpersteine werden gereinigt, in der Schulkapelle wird der NS-Opfer gedacht und die Stolpersteine werden besucht. Ein Lehrer der Schule erläuterte, dass Erinnern leichter fällt, wenn man es mit konkreten Personen verbinden kann. Deshalb haben Schülerinnen und Schüler recherchiert, welche Schicksale die Ermordeten, an die erinnert wird, erleiden mussten. Betroffen lauschten die Anwesenden den von den Schülerinnen vorgetragenen Biografien.

Pastorin Susanne Juhl sowie Jürgen Starcken und Gerd von Borstel, Mitglieder der Geschichtswerkstatt Horn, referierten weitere Einzelschicksale und zeigten auf der Internetseite der Geschichtswerkstatt anhand von Fotografien wie die Verlegung von Stolpersteinen vorgenommen wird.

Abgerundet wurden die Vorträge mit musikalischen Beiträgen von Schülern der Wichern-Schule und einem Büchertisch, auf dem alle bisher vorliegenden Stolperstein Broschüren zur Ansicht bereitlagen. Herausgegeben werden diese Bücher von der Landeszentrale für politische Bildung.

Gerd von Borstel nutzte die Gelegenheit und informierte die Anwesenden am Ende der Veranstaltung über eine aktuell vorliegende Entscheidung zu einem ganz anderen Thema, das den Horner Bürgern sehr am Herzen liegt.

Die Baugenehmigung für das geplante Stadtteilhaus Horner-Freiheit, in dem verschiedene Institutionen, wie zum Beispiel auch die Bücherhalle Horn und die Geschichtswerkstatt unter einem Dach vereint werden sollen, wurde erteilt. Voraussichtlich kann im Sommer mit dem Bau begonnen werden, die Fertigstellung ist für August 2013 geplant.

Für alle, die am Thema "Stolpersteine" interessiert sind, möchten wir auf eine Veranstaltung in der Bücherhalle Winterhude hinweisen: Am Dienstag, 31. Januar 2012 um 17:30 Uhr, findet dort im Rahmen der Woche des Gedenkens im Bezirk Hamburg-Nord, die Lesung "Stolpersteine in Winterhude und der Jarrestadt" statt. Begleitend zeigt die Bücherhalle bis zum 11. Februar die Ausstellung "Stolpersteine in Winterhude und der Jarrestadt"


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