Mehmet Caliskan, Mark Rachit und Elmar Schildei haben eine Arbeitsgruppe gebildet und stellen ihren Mitschülern das Bilderbuch "Die Olchis" von Erhard Dietl als Bilderbuchkino vor. Sie werfen die Illustrationen per Beamer an die Wand, lesen Textpassagen oder erzählen den Inhalt der Geschichte frei. Im Anschluss aber – und das ist das Besondere - erörtern sie gemeinsam die Möglichkeiten, Bilderbuchkino bei der Leseförderung mit Grundschulkindern einzusetzen. Die 16 Jugendlichen der 9. und 10. Klassen der Stadtteilschule Sachsenweg sind Teilnehmer des Wahlpflichtkurses "Lesespaß mit Jugendlichen und Grundschülern". Sie treffen sich jeden Donnerstag Nachmittag in der Bücherhalle Niendorf, um Kenntnisse und Kompetenzen als Moderatoren zu erwerben. Im zweiten Halbjahr bilden die Jugendlichen Zweier- oder Dreiergruppen und übernehmen dann eine Gruppe von etwa acht Grundschulkindern, um die Lesefähigkeit und Lesefreude, das Lese- und Textverständnis und den spielerischen Umgang mit Büchern zu fördern.
"Wir erleben in unserem beruflichen Alltag, dass der Bedarf an Unterstützung beim Lesen und Lesenlernen zum Beispiel bei Grundschulkindern offensichtlich ist" betonen Hannelore Wittig, Koordinatorin für Deutsch am Sachsenweg, und Michael Braun, Leiter der Bücherhalle Niendorf. "Wir haben uns sehr über das Interesse der Jugendlichen an dem Kursangebot gefreut, noch dazu haben sich mehr Jungen als Mädchen gemeldet."
Mit dem Projekt wird in Hamburg Neuland betreten, weil zwei Ziele miteinander verbunden werden: die Schulung der Jugendlichen und später die Verbesserung der Lesefähigkeit bei Grundschülern. "Wir haben schon eine ganze Reihe von Kennenlern-, Bewegungs- und Sprachspiele vorgestellt und ausprobiert. Nun werden sieben Bilderbuchkino-Serien vorgestellt und die Möglichkeiten diskutiert, Grundschulkinder einzubinden und mit ihnen gemeinsam auf spielerische Weise das Besondere einer Erzählung zu entdecken", erläutert Frau Wittig. Wichtig sei, dass die Jugendlichen sich in der Rolle als Vermittler erleben und mit dem Bilderbuch begegneten sie der Erlebniswelt und dem Sprachvermögen der 5-8jährigen.
Neu an dem Projekt ist aber auch die Verbindung zwischen Schule und Bibliothek. "Zum einen erstreckt sich das Projekt über ein ganzes Schuljahr, zum anderen müssen sich die Kompetenzen und Ressourcen beider Einrichtungen ergänzen", erläutert Michael Braun. "Frau Wittig und ich sind auch sehr gespannt auf die zweite Phase, wenn die Lesekiste jedes Jugendlichen gefüllt ist mit Büchern, wie zum Beispiel das Bilderbuch "Die Olchis", aber auch "Kommissar Kugelblitz" oder die "magischen Baumhausbücher" - Bücher, für die wir uns Konzepte für die Vermittlung erarbeitet haben. Spannend wird es dann, wenn die Jugendlichen den Grundschülern gegenüber stehen."