Mehr als 25 Jahre war Gisela C. Stammkundin der Bücherhalle Altona, leidenschaftlich hat sie Krimis und Romane verschlungen – eine damalige Arbeitskollegin hatte die passionierte Leserin beizeiten auf das umfangreiche Angebot der Bücherhallen aufmerksam gemacht. Aufgrund einer Augenkrankheit ließ die Sehfähigkeit der alten Dame in den letzten Jahren immer mehr nach, so dass es die ehemalige Bankangestellte zwar noch schafft, alleine einzukaufen, aber selbst im Supermarkt geht es ohne fremde Hilfe nicht mehr, da sie die Produkte nicht mehr zweifelsfrei erkennen kann. Bis 2005 konnte Gisela C., die unweit der Bücherhalle Altona am Museumspark wohnt, noch mit der Lupe lesen, aber auch damit ist nun seit einiger Zeit endgültig Schluss.
Da kam das Medienboten-Projekt der Bücherhallen gerade zur richtigen Zeit: Einmal monatlich wird die allein lebende behinderte Dame von Hanni Meyer besucht, einer berufstätigen Lehrerin, die sich als ehrenamtliche Medienbotin engagiert und regelmäßig neue Medien, insbesondere Hörbücher, im Gepäck hat. "Ich freue mich immer auf meine Medienbotin – mittlerweile ist sie mir richtig ans Herz gewachsen", betont die blinde Gisela C. "Das Schönste ist, dass sie mir nicht nur neue Medien mitbringt, sondern auch Zeit für mich hat." Wie in vielen anderen Fällen auch hat sich zwischen Medienbotin und Kundin mittlerweile ein vertrauensvolles, herzliches Verhältnis entwickelt. "Nur leider ist gerade mein CD-Player kaputt gegangen – kein Wunder bei dieser permanenten Belastung."
Aufgrund ihrer starken Hüftgelenksprobleme kann Anna-Maria T. ihre Wohnung schon seit geraumer Zeit nicht mehr verlassen – zu Hause bewegt sich die behinderte Frau nur mit Rollator, zusätzlich bietet ihr ein Notruf-Piper die Sicherheit, dass im Falle eines Falles schnelle Hilfe zur Stelle ist. Anna-Maria T. war 54 Jahre verheiratet, gemeinsam mit ihrem Mann zog sie vier eigene und zwei angenommene Kinder groß. Während ihr Mann als Platzwart im Volksparkstadion sein Geld verdiente, jobbte sie regelmäßig in einer Fischfabrik, "auch, weil ich immer gerne über eigenes Geld verfügen wollte." Seit mehr als 30 Jahren wohnt sie im ersten Stock eines Sechs-Familienhauses in Lurup – direkt über ihr lebt ihre beste Freundin, mit der sie, da diese ebenfalls nicht mehr mobil ist, zweimal am Tag telefoniert. Von den Medienboten erfuhr Anna-Maria T., die mit 80 ihren Führerschein abgab und seitdem ihre eingeschränkte Mobilität sehr bedauert, durch einen Flyer, den ihr Mitarbeiter von "Essen auf Rädern" mitgebracht hatten.
Von Beginn an nimmt die lebensfrohe alte Dame den Service der Bücherhallen in Anspruch: Einmal monatlich wird sie von Ditmar Rapp, einem ehemaligen Exportkaufmann, besucht. "Jetzt, wo meine Kinder aus dem Haus sind, bin ich froh, viel Zeit für meine eigenen Interessen zu haben. Am liebsten lese ich Krimis, Romane mit Hamburg-Bezug und Auswanderer-Romane.“ Anna-Marie T., die zu früheren Zeiten jahrelang im Bücherclub war, mag auf den Medienboten-Service nicht mehr verzichten: "Ich freue mich immer sehr, wenn Herr Rapp kommt. Dann koche ich Kaffee und wir klönen – und ich merke meine Schmerzen gar nicht mehr."
Fotos: Krim Grüttner