Bücherhalle Harburg Wladimir Kaminer zu Gast: "Warum der Weltfrieden in der Küche beginnt"

06.04.2017

Kein Platz blieb frei am vergangen Dienstag, den 4. April: Der wohl bekannteste Literatur-Export aus Russland, Wladimir Kaminer, war in der Bücherhalle Harburg zu Gast.

Rund zwei Stunden brachte der Autor den vollen Saal zum Lachen und skurrile Alltags-Gegebenheiten sprachlich auf den Punkt.

Eine Reise-Anekdote machte den Auftakt: Kaminer war kürzlich Gast auf einem Kreuzfahrtschiff  und fand im Mittelmeer Stoff für sein neues Manuskript: Er traf auf resignierte Griechen, verlassen von ihren Göttern. Inmitten der Euro-Krise posieren nun Syrer im Zeus-Kostüm auf der Akropolis und Russen präsentieren in der Taverne Sirtaki, wenn sie nicht gerade Pelzprodukte an Touristen verscherbeln.

Buchcover _Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger_

Während sich das Publikum noch die Lachtränen aus den Augen wischte, ging es aus Piräus direkt nach Berlin. Wladimir Kaminer las ein Kapitel aus "Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger".  Mit ironischem Augenzwinkern erzählte der Wahl-Berliner aus seiner untergegangenen Heimat, der Sowjetunion, aus kommunistischer Vergangenheit und unsicherem Heute: Er lüftete das Geheimnis des sowjetischen Englisch-Unterrichts, erklärte die Zubereitung des russischen Küchenschlagers "gefillte Huhn" und dessen Zusammenhang mit dem Weltfrieden.

Im Buch "Goodbye Moskau" erfuhren die Gäste auch, dass russische Nudeln in Zeiten des Kalten Kriegs das Maß des Kalaschnikow-Kalibers 7,62 hatten – für den Fall, dass die Produktion umgerüstet werden müsste.

Wladimir Kaminer signiert seine Bücher

In der Pause signierte der zugewandte, charismatische Wladimir Kaminer die vielen Bücher, die die Gäste direkt erworben oder mitgebracht hatten.

Gegen Ende gab der Autor noch die Geschichte eines 60 Jahre alten Kühlschranks der Schwiegermutter zum Besten: Dieser, so Kaminer, verkörpere wie nichts anderes die vergangene Zukunftsvision der Sowjets: eine "antikapitalistische Gurkenunion".

Unter großem Applaus bedankte sich der humorvolle Stargast beim Publikum mit den Worten: "Für ein friedliches und geeintes Europa, mit Russland als Freund" – wofür er selbstredend erneut Standing Ovations erntete.

Die Lesung fand statt in Kooperation mit der VHS Harburg und der Buchhandlung am Sand.