Eine Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste erzählt

Eva ist ausgebildete Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Bibliothek, kurz FaMI, und bei den Bücherhallen Hamburg angestellt. Jasmin Meinke, Studierende an der HAW, hat sie im Rahmen ihres Praktikums bei den Bücherhallen Hamburg Anfang 2016 zu Ausbildung und Berufsalltag befragt.

Eva, erzähle uns doch kurz etwas über dich

Mein Name ist Eva und ich bin 25 Jahre alt. 2010 machte ich mein Abitur und begann anschließend eine Ausbildung bei den Bücherhallen Hamburg zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste. 2013 machte ich meinen Abschluss und seitdem arbeite ich bei den Bücherhallen.

Warum wolltest du gerne bei den Bücherhallen deine Ausbildung machen?

Für mich war immer klar, dass ich mit Menschen arbeiten möchte. Ich bin schon seit meiner Kindheit Kundin der Bücherhallen, damals habe ich mit den Besuchen in der Bücherhalle meine Wartezeiten auf den Bus überbrückt, wenn ich ihn verpasst hatte. Ich lese natürlich gerne. Aber im Vordergrund stand für mich der Kundenkontakt. Ich wollte einen Beruf, in dem ich mit Menschen zu tun habe und wo der Alltag nicht immer gleich verläuft.

Wusstest du schon von Anfang an, dass du diese Ausbildung machen möchtest, oder wie bist darauf aufmerksam geworden?

Auf die Ausbildung bin ich eigentlich nur durch einen Zufall aufmerksam geworden. Meine Mutter wollte etwas online verlängern und hat den Hinweis entdeckt, dass die Bücherhallen neue Azubis suchen.  Ich habe mich dann zunächst informiert, was man in dem Beruf überhaupt macht und dachte, das könnte ich gut mit meinen Interessen verknüpfen. Vorher habe ich nie richtig drüber nachgedacht, in einer Bücherhalle zu arbeiten. Das war tatsächlich erst im Januar 2010, also ziemlich spät. Ich hatte noch eine Woche Zeit, meine Bewerbungsunterlagen abzugeben (Eva lacht), das war wirklich auf den letzten Drücker. Zum Glück hat es noch geklappt.

Was gefällt dir an deinem Beruf?

Am meisten gefällt mir immer noch der Kontakt zu den Kunden und auch, dass zu uns vom Kleinkind bis zum älteren Menschen ganz unterschiedliche Besucher kommen und unsere Kunden nicht nur aus Studierenden besteht, wie zum Beispiel in einer Unibibliothek oder im wissenschaftlichen Bereich. Ich habe viel Kontakt zu Kindern, was mir viel Spaß macht. Sehr interessant finde ich auch die Veranstaltungsarbeit, zum Beispiel die eMedien-Sprechstunde oder Bilderbuchkino.Tätigkeiten mit Mehrwert machen mich sehr glücklich. Wenn ich sehen kann, dass ich helfen konnte, fühle ich mich darin bestätigt, den richtigen Beruf gewählt zu haben.

Würdest du sagen, dass du dich durch deinen Beruf auch persönlich weiterentwickeln konntest?

Das Selbstbewusstsein wächst auf jeden Fall, vor allem durch den Kontakt mit den Kunden. Auch der Umgang mit Kindern fällt mir jetzt leichter. Anfangs wusste ich nicht so recht, wie ich mit den Kindern umgehen soll. Das ist jetzt gar kein Problem mehr.

Du hast gesagt, du wolltest einen Beruf, in dem der Alltag nicht immer gleich aussieht. Ist das tatsächlich so eingetroffen?

Es gibt natürlich ein gewisses Grundgerüst an Tätigkeiten, die jeden Tag anfallen. Die zurückgegebenen Medien müssen wieder ins Regal sortiert werden, es gibt Zeiten für Büroarbeiten und Zeiten, wo man an der Theke sitzt und der erste Ansprechpartner für die Kunden ist. Das Telefon muss immer bedient und Anfragen beantwortet werden.

Wenn ich im Büro bin, erledige ich meistens Dinge, für die ich mehr Ruhe oder Konzentration brauche. Dann beschäftige ich mich zum Beispiel mit den neuen Medien, die wir in der Bücherhalle erhalten haben, um einen Überblick über den Bestand zu behalten. Ich übernehme inzwischen auch einige Tätigkeiten, die bisher in den Bereich der Bibliothekare gehörten, zum Beispiel das Vorführen von Bilderbuchkinos. Das bedarf einer intensiven Vorbereitung, man muss das Bilderbuch auswählen und das Vorlesen einüben. Außerdem bestelle ich neue Medien für unsere Jugendabteilung HOEB4U. Dann gibt es selbstverständlich immer wieder Besprechungen, die anfallen und im Büro erledigt werden müssen.

Man wächst ja auch an den Herausforderungen. Welchen begegnest du an deinem Arbeitsplatz?

Als besonders interessant und herausfordernd empfinde ich Veranstaltungen oder Dinge, die neu konzipiert werden müssen. Das ist nichts Alltägliches und übt darum den größten Reiz für mich aus. Ich betreue zum Beispiel die eMedien-Sprechstunde und helfe dort Kunden, Angebote unserer eBuecherhalle auf ihre Geräte, wie Tablets und e-Readern herunter zu laden. Die Entwicklung dieser Sprechstunde erforderte eine gewisse Planung, bei der man kreativen Spielraum hat. Neue Dinge einzuführen, ist schon etwas Besonderes und keine Routineaufgabe. Man muss sich solche Aufgaben auch suchen, damit man den Kunden neue Angebote bieten und sich selbst weiter entwickeln kann. Daran wächst man und ist zufrieden, wenn alles gut geklappt hat.

Wie sieht es bei den FaMIs mit Weiterbildungsmöglichkeiten bei den Bücherhallen aus? Gibt es Aufstiegschancen?

Es gibt noch die Position der 1. FaMI. Diese kooperiert stark mit der Leitung der jeweiligen Bücherhalle und übernimmt mehr organisatorische Aufgaben. Zum Beispiel kümmert sie sich um das FaMI-Team oder auch um Schülerpraktikanten. Man kann auch eine bibliothekarische Stelle anstreben, dafür muss man dann aber studieren. Die nächste Stufe dort wäre die Leitungsposition in einer Stadtteilbücherhalle. Ansonsten gibt es noch regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen, zum Beispiel für den Umgang mit Kunden oder Recherche in Datenbanken.

Jetzt zu einer persönlichen Einschätzung: Würdest du sagen, man kann auch in einer Bibliothek arbeiten, wenn man nicht so viel liest?

Natürlich kann man das. Trotzdem ist es auf jeden Fall von Vorteil, einen gewissen Bezug zu Büchern und anderen Medien zu haben. Man kann die Kunden besser beraten und ihnen Empfehlungen geben. Wenn ein neuer Bestseller rauskommt, sollte man schon wissen, wer der Autor ist und um welches Genre es sich handelt. Eine gewisse Leseaffinität macht das Arbeiten einfacher und vor allem interessanter. Wenn Lesen zu meinen Interessen gehört, macht mir die Arbeit durchaus mehr Spaß. Wer also keine Freude am Lesen hat, oder Medien insgesamt nicht so interessant findet, könnte sich unter Umständen in diesem Beruf irgendwann langweilen.

Die letzte Frage ist etwas schwieriger: Was denkst du über die Zukunft von Bibliotheken?

Ich denke, dass die Bücherhallen auch in Zukunft bestehen bleiben werden. Man muss aber mit der Zeit gehen. Es müssen in jedem Fall Arbeitsräume zur Verfügung gestellt werden und die Veranstaltungsarbeit muss ausgeweitet werden. Vielleicht wird sich auch das Ausleih-Angebot von Tablets und eReadern in den Bücherhallen verbreiten. Im Zeitalter des digitalen Wandels muss die Bibliothek in der Lage sein, sich zu verändern. Man kann eMedien ausleihen, Musik streamen, oder die Bücherhallen-App nutzen. Das ist natürlich angenehm für die Kunden.

Neben der Leseförderung wird die Medienkompetenzvermittlung immer relevanter werden. Wir müssen den Kunden erklären können, wie die Technik funktioniert und wo man zuverlässige Rechercheergebnisse erhält. Hier sollten wir für die Kunden eine selbstverständliche Anlaufstelle werden. Ich finde Veränderungen wichtig und gut.

Selbstverständlich muss man aber ebenso auf den physischen Bestand vor Ort achten und ihn attraktiv für die Kunden halten, die bei den konventionellen Medien bleiben möchten. Nicht jeder liest digitale Bücher, viele finden es schöner, ein reales Buch in der Hand zu halten. Ich persönlich sehe das Buch als Kulturgut an, daher ist es schützenswert und diesen Auftrag können die Bücherhallen unterstützen und auch in der Zukunft bewahren.