Bücherhalle Winterhude: Geschichte der Bücherhalle Winterhude

Bücherhalle Winterhude 1951 im Wasserturm im Stadtpark

1943 wurde der Stadtteil Hammerbrook im Bomben- und Feuersturm weitgehend zerstört. Der gerettete Teil der Hammerbrooker Bibliotheksbestände wurde im Januar 1944 in 3 Klassenräume der katholischen Schule in der Alsterdorfer Strasse ausgelagert und dort ab April 1944 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Bücher bildeten den Grundstock der Winterhuder Bücherhalle, die am 1. April 1946 mit 8 500 Bänden in einen Teil der Ausstellungsräume des Planetariums im Wasserturm des Stadtparks verlegt wurde. 

Trotz der abgelegenen Lage und katastrophaler Arbeitsbedingungen (ohne Arbeitsräume, zum Teil in mit Decken abgeteilten Nischen, bei -,4 ° Kälte, ohne Toiletten und Wasser und immer hungrig) entwickelte sich der Ausleihbetrieb ausgezeichnet.  Aus der vorübergehenden Lösung entwickelte sich in mehreren Erweiterungsschritten der Dauerstandort der Bücherhalle Winterhude bis 1966.

Bücherhalle Winterhude 1951 im Wasserturm im Stadtpark

1949 erfolgte die erste Erweiterung. Die Bücherhalle erhielt die gesamten Ausstellungsräume des Planetariums und einen eigenen Eingang.

Steigende Nutzerzahlen und das wachsende Buchangebot machten 1953 einen weiteren Erweiterungsumbau notwendig. Durch Einzug einer Empore wurde die Stellfläche der Bücherei um 50% erweitert.

1954 wurde die Bücherhalle als "schönste Bücherhalle Hamburgs" wieder eröffnet.

1959/60 gab es erstmals Forderungen nach einer Verlegung der Bücherhalle in die Wohngebiete. "Die Zeit scheint vorbei zu sein, in der man sich einen weiten Weg um ein Buch machte". Besucher und Angestellte fühlten sich auf den dunklen Parkwegen nicht mehr sicher.

1966 war es dann endlich soweit: Die Bücherhalle bezog großzügige Räume in einem Neubau im Poßmoorweg. Für die nächsten 30 Jahre  blieb die Bücherhalle der kulturelle Mittelpunkt des Wohngebietes.

Mitte der 70er Jahre begann die Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Goldbekhaus. Der damalige Leiter der Bücherhalle, Horst Kaiser,  wurde Mitbegründer des Trägervereins goldbekHaus e.V.

Bis der Verein 1981 sein eigenes Haus beziehen konnte, wurde die Bücherhalle als kultureller Ort für Kurse, Diskussionen und Arbeitsgruppen genutzt.

In dieser Zeit lasen bekannte Autorinnen und Autoren wie Ida Ehre, Walter Kempowski, Wolf Biermann, Dorothee Sölle und Ludwig Fels in der Bücherhalle.

Unter dem Titel "Kultur von nebenan" fanden Ausstellungen noch unentdeckter und bekannter Künstler statt. So stellten zum Beispiel Harald Duwe, Horst Janssen und Klaus Staeck ihre Kunstwerke in der Bücherhalle aus.

Drei verschiedene Friedensinitiativen tagten regelmäßig in der Bücherhalle und gleichzeitig fanden viele Veranstaltungen für Kinder statt: Lesungen, Theater, Zauberer und Kino.

Auch nach der Fertigstellung des Goldbekhauses wurde die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und Initiativen im Stadtteil fortgeführt.

Mit Unterstützung von ABM-Kräften und Studenten konnten viele Sonderaufgaben der sozialen Bibliotheksarbeit im Kinder-, Senioren u. Behindertenbereich aufgenommen werden, die aber nach Auslaufen der Maßnahmen aus Personalmangel nach und nach leider wieder eingestellt werden mussten.

1991 wurde die Bücherhalle während einer 3monatigen Schließung auf EDV umgestellt und renoviert. Vorher gab es Handzettelkataloge und die Medien wurden mit einem Fotoverbuchungssystem verbucht. Mit dem Einzug der neuen Technik wurden die Serviceleistungen für die Kunden weiter verbessert.

1996 feierte die Bücherhalle Winterhude ihr 50jähriges Bestehen, davon 30 Jahre am Standort im Poßmoorweg. Mitten in das Jubiläumsjahr fiel die Nachricht, dass die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen aus Kostengründen Bücherhallen schließen müssten und auch der Standort im Poßmoorweg aufgegeben werden müsse.

Im Strukturkonzept der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen von 1996 wurde die Zusammenlegung der Bücherhallen Eppendorf und Winterhude beschlossen.

Bücherhalle Winterhude im Forum Winterhude

Am 1. 4. 1998 wurde die Bücherhalle Winterhude-Eppendorf, trotz massiver Bürgerproteste, am Winterhuder Marktplatz im Einkaufszentrum Forum Winterhude eröffnet.

Die Bücherhalle hat sich am neuen Standort sehr gut etabliert und erfreut sich regen Zulaufs aus den Stadtteilen Winterhude, Eppendorf und Alsterdorf.

Zitate und Informationen entnommen aus: "Chronik der Bücherhalle am Wasserturm", aus der Rede zur Feier "50 Jahre Bücherhalle Winterhude - 30 Jahre im Poßmoorweg", "Winterhude von A-Z" von Ulrike Sparr und dem Buch "Hamburgs Bücherhallen - Eine Jahrhundertgeschichte" von Matthias Gretzschel und Anne Buhrfeind.