Kinder in der NS-Zeit

Der Barmbeker Hans-Jürgen Massaquoi

Anlässlich der Woche des Gedenkens "Unvergessen – Schwarze und People of Color im Nationalsozialismus" fand am 17. März 2021, in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Barmbek und der Bücherhalle Barmbek, die Online Lesung "Der Barmbeker Hans-Jürgen Massaquoi" statt.

Als Sohn einer Deutschen und eines Liberianers wurde Hans-Jürgen Massaquoi 1926 in Hamburg geboren. Seine Kindheit während des Nationalsozialismus war geprägt von Diskriminierung und rassistischen Anfeindungen. Diese Erfahrungen verarbeitete Massaquoi in seinem 1999 erschienen Buch "Neger, Neger, Schornsteinfeger: Meine Kindheit in Deutschland". Benannt nach einem Satz, den er sich während seiner Kindheit oft anhören musste.

An diesem Abend erinnerten Nicole Schneider und Michael Grill an den "Barmbeker Jung". Es wurden Auszüge seines Buches gelesen und aus seinem Leben erzählt, wodurch die Teilnehmer*innen einen tiefen Einblick in das Leben von Hans-Jürgen Massaquoi bekamen. Aber nicht nur seine Kindheit wurde thematisiert. Auch über seine Zeit in den USA und seine Arbeit als Chefredakteur der afroamerikanischen Zeitschrift "Ebony", für die er auch Martin Luther King und Malcolm X interviewte, wurde berichtet.

Der Titel "Neger, Neger, Schornsteinfeger" klingt aus heutiger Sicht problematisch, doch Nicole Schneider und Michael Grill erklärten, dass sich Massaquoi bewusst für diese Zitatform als Titel entschied, da dieser Satz für seine Kindheit so prägend war und rassistische Kontinuitäten aufzeigt, die auch nach dem Nationalsozialismus andauerten.

Seit 2017 befindet sich in Hamburg Barmbek, wo Hans-Jürgen Massaquoi einen Großteil seiner Kindheit verbrachte, die nach ihm benannte "Massaquoipassage". Die Benennung dieser Passage führte in den Sozialen Medien unter anderem zu diskriminierenden und rassistischen Kommentaren. Eine große Auswahl dieser Kommentare wurde an diesem Abend gezeigt. Die Vehemenz mit der gegen die "Massaquoipassage" Stimmung gemacht wurde, zeigt dass diese Problematik leider immer noch hochaktuell ist!

Foto © mit freundlicher Genehmigung der Familie Massaquoi.