Swingtanz

Psst Swing!

Im Rahmen der Woche des Gedenkens reiste das Team der Bücherhalle Dehnhaide am 01. Februar 2020 gemeinsam mit 70 Gästen, dem Kulturpunkt Barmbek Süd und der Tanzschule "Swing Time" zurück in die 30er und 40er Jahre. In eine Zeit also, in der es keineswegs selbstverständlich war, seine Lieblingsmusik öffentlich zu hören oder gar dazu zu tanzen.

Die Swing-Jugend war während des Nationalsozialismus eine Gegenbewegung zur Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädel. Sie tanzten bewusst aus der Reihe, sowohl musikalisch als auch durch ihren Modelstil und lehnten sich so mit ihrer Kultur gegen den allgegenwärtigen Gleichschritt der Nationalsozialisten auf. Auch Hamburg hatte eine starke Swing-Jugend-Bewegung, die regelmäßig öffentliche Tanzveranstaltungen organisierte - immer auf die Gefahr hin, von der Gestapo oder der SS erwischt und festgenommen zu werden.

Getreu dem Zitat des verstorbenen, jüdischen Jazzmusikers Coco Schumann: "Wer den Swing in sich hat, ob er im Saal steht oder auf der Bühne, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren", wurde im Barmbek°Basch zu mitreißenden Swing-Songs der Band "Jumpin Jelly" getanzt. In der Pause und im Anschluss tönte über die Lautsprecher die typische Radiomusik der damaligen Zeit, aber über Funkkopfhörer konnte "heimlich" weiter der Swingmusik gelauscht - und natürlich auch dazu getanzt werden. Parallel konnten interessierte Besucher über die Funkkopfhörer auf einem zweiten Kanal Geschichten verschiedener Hamburger Zeitzeugen, die aus der damaligen Swingjugend stammten, hören.

Durch die lockere Atmosphäre und inspiriert durch die Zeitzeugendokumentation von Rolf Jacobson und Gunter Cornehl sowie diverser, im Raum verteilter Literatur, entspannen sich viele sehr interessante Gespräche und ein reger Austausch, sowohl über die Swings, als auch generell über die NS-Zeit. Manchmal braucht es zum Gedenken vielleicht weniger Vorträge und Diskussionsrunden und wieder mehr Kultur, die aufzeigt, wie eintönig wir alle durch unser Leben gleiten würden, wenn wir den Gleichschritt von damals erneut zulassen!

Wir bedanken uns bei der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, die uns bei der Finanzierung dieses wunderbaren Abends unterstützt hat.