Autor einer Lesung wird begrüßt

Autorenlesung: "Nebel im August"

Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, an dem 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit wurde, erinnerte auch die Bücherhalle Eidelstedt an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes und ihre Opfer. Der Autor und Journalist Robert Domes las aus seinem Buch "Nebel im August".

Der biografische Roman erzählt die wahre Geschichte von Ernst Lossa, der aus einer Familie von Jenischen stammt, von den Nationalsozialisten abwertend als fahrendes Volk oder "Zigeuner" verfolgt. Mit seinen Worten fesselte Robert Domes das Publikum, welches aus vielen Interessierten und einer 12. Klasse der Stadtteilschule Eidelstedt bestand.

Schon früh wird der kleine Ernst von seiner Familie getrennt und wächst in Kinder- und Jugenderziehungsheimen auf. Eine Gutachterin stempelt ihn als "asozialen Psychopathen" ab und so wird Ernst mit 12 Jahren in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, obwohl er geistig und körperlich völlig gesund ist. Dort erfährt er unter den Kranken zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Geborgenheit. Aber er bekommt auch die schlimmen Missstände mit, die sich in diesen Anstalten abspielen: Patienten werden regelrecht ausgehungert, anderen werden eigenartige Tabletten verabreicht oder sie sterben unter mysteriösen Umständen. Am 9. August 1944 wird der 14jährige Ernst Lossa mit der Todesspritze, angeblich eine Impfung gegen Typhus, ermordet.

Die traurige Geschichte, die exemplarisch für viele Schicksale dieser Zeit steht, bewegt und regt zum Nachdenken an. Im Publikum wurden viele Fragen aufgeworfen, die vom Autor, der viel zu dieser Thematik recherchiert hat, überwiegend souverän beantwortet werden konnten. Besonders erschütternd fanden die Zuhörer, dass die meisten Beteiligten nach dem Krieg ohne Strafe davon kamen. Selbst die Hauptverantwortlichen erhielten nur milde Strafen.  Andere Fragen waren etwas schwieriger zu beantworten: "Was würden Sie Ernst sagen, wenn Sie ihn heute treffen könnten?" Antwort: "Ich würde wahrscheinlich wenig sagen und Ernst reden lassen und ihm zuhören."

Zum Abschluss gab der Autor einen Ausblick auf sein aktuelles Projekt. Im Frühjahr 2021 wird sein neuer Roman erscheinen, der ebenfalls das Thema Nationalsozialismus aufgreift. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein.

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden endete die eindrucksvolle Lesung, die allen Anwesenden sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Die Veranstaltung wurde vom Bezirksamt Eimsbüttel gefördert.

"Nebel im August" kann als Buch, eBook, Hörbuch und Film in den Bücherhallen ausgeliehen werden.