Krimiautorin liest

"Mexikoring" - Krimi-Lesung mit Simone Buchholz

Im tristen Büroghetto City Nord startet der aktuelle Hamburg-Krimi von Simone Buchholz, den sie am Abend des 7. Dezember 2018 in einer Kooperationsveranstaltung mit der Buchhandlung Heymann in der Bücherhalle Eidelstedt präsentierte. Im Gespräch gestand sie, dass sie schon seit längerer Zeit den Wunsch verspürte, hier einen Krimi anzusiedeln und es ihr eine gewisse Zufriedenheit verschafft hat, dort einen Mord stattfinden zu lassen.

Noch vor Sonnenaufgang wird Staatsanwältin Chastity Riley vom Klingeln des Telefons aus kurzem Schlaf gerissen. Im Mexikoring brennt ein Auto. Das ist nichts Ungewöhnliches, jede Nacht brennen irgendwo in der Stadt Autos, aber dieses Mal sitzt jemand im Wagen. Bei dem bewusstlosen Mann, der aus dem Auto gezogen wird, handelt es sich um Nouri Saroukhan, Familienmitglied eines Bremer Clans. Als der junge Mann wenig später im Krankenhaus stirbt, führen die Ermittlungen nach Bremen zur Familie des Opfers. Die nimmt die Todesnachricht ohne ersichtliche Reaktion zur Kenntnis. Wollten sie dem abtrünnigen Familienmitglied einen Denkzettel verpassen?

Anschaulich beschreibt Simone Buchholz in diesem Kapitel die emotionale Kälte der Familie und den völligen Mangel an Empathie. In einem anderen Textauszug führte sie ihr Publikum in das Tagesgeschäft der jungen Männer des Clans ein und zeigte die Gewalttätigkeit, die sich auch innerhalb der Familie abspielt. Auch der geringe Stellenwert der weiblichen Familienmitglieder wird thematisiert.

Zwei Dinge zeichnen die Kriminalromane von Simone Buchholz aus: ihre Themen sind stets gut recherchiert, zudem verfügt sie über einen unverwechselbaren lakonischen Schreibstil, der wunderbar zu ihrer sperrigen Protagonisten passt. Das machte auch die 5. Hamburg-Krimi-Lesung in der Bücherhalle Eidelstedt zu einem vollen Erfolg. Und ein Abend mit Frau Buchholz verspricht immer Kurzweil und intelligente Unterhaltung.

Im Anschluss an die Lesung stand Simone Buchholz gern für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Auf die Frage, warum sie gerade Kriminalromane schreiben würde, antwortete sie: "Ein Buch soll nicht beruhigen. Ich möchte nach Beendigung eines Buches aufgewühlt sein und nicht ins Bett gehen und ruhig schlafen". Aber warum haben Hauptfiguren in Krimis so häufig eine verkorkste Vergangenheit? "Weil es so viel Spaß macht, diese zu entwickeln und vielleicht auch weil man sich dann selbst so wunderbar überlegen fühlen kann, weil man ja sein eigenes Leben vermeintlich gut im Griff hat".

Und wie viel von Simone Buchholz steckt in ihren Protagonisten? "Meine Sicht auf die Welt findet man in jedem meiner Bücher wieder".