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Deutscher Jugendbuchpreis 2018

Am 12. Oktober 2018 wird Bundesministerin Dr. Franziska Giffey auf der Frankfurter Buchmesse die Sieger des Deutschen Jugendbuchpreises 2018 bekanntgeben und die Preise verleihen.

Auszubildende der Jugendbibliothek Hoeb4U haben die nominierten Jugendbücher für euch gelesen, Buchbeschreibungen verfasst und persönliche Bewertungen abgegeben.

Buchcover: The Hate U Give

Angie Thomas: The Hate U Give

Tupac scheint es auf dem Punkt zu bringen wenn er aus den Worten "thug life" den Satz macht: The hate you give little infants fucks everybody! Denn als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, ist Starr einmal mehr mit der Ungleichbehandlung, Diskriminierung und Gefahr konfrontiert, die dunkelhäutige US-Bürger jeden Tag erdulden müssen.

Die preisgekrönte Autorin Angie Thomas erzählt in ihrem Buch von einer aufgeweckten, erschrockenen und wütenden 16-Jährigen, die sich entscheiden muss, ob sie mutig ist und für ihren toten Freund einsteht oder nicht. Fast erkennt man autobiographische Handlungsstränge: Starr pendelt zwischen zwei Welten, ihrem schwarzen Viertel in dem sie aufwächst und in dem Armut und das Dealen mit Drogen ständige Begleiter sind und der Privatschule auf die sie geht und wo sie eine der wenigen Dunkelhäutigen ist. Angie Thomas selbst war die erste dunkelhäutige Absolventin der Bellhaven University. Vielleicht gibt unter anderem dieser ähnliche Background der Autorin die Fähigkeit, ihre Protagonistin so differenziert und liebevoll vorzustellen. Nach eigenen Worten wollte Angie Thomas die Leute bewegen und wachrütteln wie einst Tupac Shakur es mit ihr getan hat. Dies gelingt der jungen Autorin mit diesem Buch auf jeden Fall! Es scheinen alle Themen vorzukommen und doch noch mehr: Starrs Geschichte macht die Schwierigkeiten deutlich, die ein dunkelhäutiges Mädchen hat, wenn es mit einem hellhäutigen Jungen nach Hause kommt. Sie zeigt wie einseitig Medienberichte häufig sind und skizziert eindrücklich die Art und Weise und die Konsequenzen, wenn ganze Personengruppen durch Vorurteile in einen Topf gesteckt werden. Zudem geht sie der Frage auf den Grund, was es bedeutet schwarz oder weiß zu sein. Es geht um Freundschaft, scheinbar unauffällige rassistische Kommentare, Polizeiwillkür, Gangs, Ohnmacht und Aufbegehren, sowie Sorge und Liebe.

Jeder, der Starr, ihre Familie und Freunde sowie ihre Nachbarschaft in diesem Buch dabei begleitet, wie sie zu sich und dem toten Khalil finden, wird aufgerüttelt und hoffentlich ein bisschen wütend. Er lernt differenzierte Sichtweisen und Argumente gegen Rassismus zu nutzen, kann sich besser vorstellen, was es heißt als dunkelhäutiger Teenager in den USA aufzuwachsen und leidet und lebt mit der Protagonistin. Ein Buch das man gelesen haben muss!

Buchcover: Bis die Sterne zittern

Johannes Herwig: Bis die Sterne zittern

1936 in Leipzig schließen sich Gruppen von Jugendlichen "die sogenannten Meuten" zusammen und begehren durch ihr äußeres Erscheinungsbild von karierten Hemden und Lederhosen sowie durch ihr provokantes Verhalten gegenüber dem Nationalsozialismus auf. Der 16 jährige Harro schließt sich der Gruppe gegen den Willen seiner Eltern an, nachdem sie ihn vor einen Trupp der Hitlerjugend beschützt haben. Harros Aussehen verändert sich, was sich auch in der Schule und auf der Straße bemerkbar macht. Durch das Auftreten der Gruppe auf großen öffentlichen Plätzen, den Zusammenschluss mit anderen Gruppen und riskanten Aktionen bringen sie sich zunehmend in Gefahr, doch niemand kann ihren Widerstand brechen.

Was würdest du tun wenn die Gesellschaft bedroht ist? Würdest du dich unterordnen aus Angst? Oder würdest du für eine freie und offene Gesellschaft Widerstand leisten?

Besonders die Momente, wenn die Jugendlichen am Lagerfeuer sitzen oder hinter der Kirche und über Fragen diskutieren, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben, machen das Buch besonders lesenswert. Sie zeigen für einen kurzen Augenblick die Unbeschwertheit und Leichtigkeit mit der die Jugendlichen versuchen durchs Leben zu gehen, abseits von den Schatten des Nationalsozialismus. Die Jugendlichen sind keine strahlen Helden sondern ganz normale, starke Persönlichkeiten. Harro mit all seinen Problemen und Ängsten findet im Laufe der Geschichte seinen Weg und fängt an, eigene Entscheidungen zu treffen.

Durch einen spannenden und erschreckenden Prolog befindet man sich mitten im Geschehen und wird das Buch nicht mehr aus der Hand legen können, bis die eigenen Fragen beantwortet sind. Das Besondere an diesem Buch ist, dass es die Leipziger Meuten wirklich gegeben hat, und wenn du wissen willst, wie es damals wirklich war und für sie ausgegangen ist, dann lege ich dir das Postskriptum am Ende des Buches nah.

Ich würde das Buch ab 14 Jahren empfehlen, da die Aggressivität und die Konsequenzen teilweise sehr erschreckend sind.

Buchcover: Das Jahr in dem ich Lügen lernte

Lauren Wolk: Das Jahr, in dem ich lügen lernte

In dem Buch "Das Jahr, in dem ich lügen lernte" geht es um ein 11-jähriges Mädchen namens Annabelle McBride. Sie lebt mit ihrer Familie auf einer Farm in einem kleinen Dorf in Pennsylvania. Die Geschichte spielt im Jahre 1943, in der Zeit des 2. Weltkrieges, welcher allerdings nicht im Vordergrund steht. Annabelle hat ein sorgenfreies Leben, bis eines Tages Betty in die Gegend zieht und in ihre Klasse kommt. Über Betty sagt man, dass sie schwer erziehbar sei. Das muss Annabelle leider schnell am eigenen Leibe erfahren. Jeden Morgen auf dem Weg zur Schule wartet Betty auf sie und stellt sich ihr in den Weg. Sie soll ihr jeden Tag etwas mitbringen, weil sie denkt, dass Annabelles Familie reich ist. Wenn sie ihr nichts gibt, droht sie mit Schlägen und wenn sie jemandem davon erzählt, würde sie ihren beiden kleinen Brüdern etwas antun.

Dann gibt es da noch Toby, einen Mann Anfang 40 etwa, der jahrelang im Krieg gedient hat. Er spricht nicht darüber und streicht ziellos durch die Gegend. Die meisten haben Angst vor ihm, weil er ziemlich verwahrlost aussieht und mit Gewehren auf dem Rücken herumläuft. Familie McBride hat keine Problem mit ihm und gibt ihm regelmäßig etwas zu essen. Als Betty eines Tages spurlos verschwindet und man Toby verdächtigt, ihr etwas angetan zu haben, versucht Annabelle alles zu tun, um seine Unschuld zu beweisen, auch wenn dies nicht so ganz einfach ist.

Wird man Betty finden? Ist sie noch am Leben? Was hat Toby mit der ganzen Sache zu tun? Kann Annabelle es schaffen, seine Unschuld zu beweisen? All das erfahrt ihr in diesem Buch!

Das Buch ist einfach geschrieben und man kann es flüssig lesen. Es werden Themen, wie Gerechtigkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit und Zusammenhalt behandelt. Die Geschichte regt zum Nachdenken an. Die einzelnen Charaktere sind super beschrieben und jeder hat seine eigene Art und Denkweise. Das Ende ist ziemlich unerwartet. Je nach Verständnis und Reife sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, würde ich das Buch erst ab 13 Jahren empfehlen.

Buchcover: Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag: Den Mund voll ungesagter Dinge

Eine Liebesgeschichte mit der man nicht rechnet. Ein Umzug der doch noch gut werden könnte. Viele Schwierigkeiten, die man mit dem besten Freund nur über Skype bereden kann.

Als Sophie kurz vor dem Abitur mit ihrem Vater zu seiner neuen Freundin nach München ziehen muss, findet sie das, gelinde gesagt, super bescheuert. Denn jetzt muss die selbstgewählte Einzelgängerin nicht nur in einer neuen Schule Fuß fassen, sondern auch in einer neuen Familie, die sie eigentlich gar nicht wollte. Der einzige mit dem sie darüber reden kann, ist ihr bester Freund in Paris. Die erste Begegnung mit dem Nachbarmädchen verläuft genauso mies, wie Sophie sich fühlt: Alex und ihr Freund erwischen Sophie dabei, wie sie sie zufällig beim Sex beobachtet. Trotz des schwierigen Starts wird beim Lesen schnell klar, dass der Umzug auch Chancen für Sophie bereithält. Nach vielen unangenehmen Nächten mit den falschen Jungs wird Sophie klar, was sie wirklich in der Liebe will: Alex.

Die Autorin Anne Freytag, die zum zweiten Mal in Folge für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, zeichnet ihre Protagonistin sehr facettenreich und differenziert. Sophie ist kein Charakter, den man sofort mag, aber Seite für Seite versteht man sie mehr, bis sie einem ans Herz gewachsen ist und man sie fast so sehr liebt wie sie Alex. Anne Freytag geht behutsam an das Thema Homosexualität heran und schafft es, ohne platte Sätze oder Coming-Out-Vorurteile, Sophies Situation einfühlsam darzustellen. Dennoch ist dieses Buch eher ein Wohlfühlbuch als politische Literatur. Wer Lust auf eine Liebesgeschichte und Fahrten durch München hat, wer sich fragt ob Alex sich gegen ihren Freund und für Sophie entscheidet, wer die Ohnmacht, mit der Jugendliche sich den Entscheidungen ihrer Eltern ausgeliefert fühlen, nachvollziehen kann, für diejenigen ist dieses Buch zu empfehlen. Aber auch für alle anderen, denn eine vielschichtige Protagonistin, wie Sophie es ist, auf ihrer Reise zu ihren Gefühlen und ihrer Wahrheit zu begleiten, ist unglaublich bereichernd und unterhaltsam.

Buchcover: Der Junge auf dem Berg

John Boyne: Der Junge auf dem Berg

"Der Junge auf dem Berg" ist eine bewegende und zugleich erschreckende Geschichte, welche die besten und die schlechtesten Seiten eines Menschen zum Vorschein bringt. Wir schreiben das Jahr 1936. Der 7 jährige Pierrot muss nach dem Tod seiner Mutter sein Zuhause verlassen. Bei der Familie seines Freundes ist er in diesen Zeiten nicht sicher, denn sie sind Juden. So landet er schließlich in einen Waisenhaus. Gerade etwas eingelebt, erhält er von seiner Tante Beatrix, die er nie kennengelernt hat, einen Brief aus Deutschland, dass er zu ihr kommen soll. Damit beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der sein Leben für immer verändern wird.

Pierrots Tante arbeitet als Hauswirtschafterin auf dem Berghof. Doch nicht auf irgendeinen Berghof - es ist die Sommerresidenz des Führers Adolf Hitler. Um seine Sicherheit zu gewährleisten, wird aus Pierrot Peter, er bekommt neue Kleidung und darf niemals über seinen besten Freund und seine Heimat reden. Ab jetzt ist er nur noch Deutscher, wie sein Vater es war. Als Pierrot auf den Führer trifft, blickt er zu ihm auf. Niemand widerspricht ihm. Um den Führer seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit, auch zum Verrat. Durch die Freundschaft zu Adolf Hitler verändern sich Pierrots Einstellungen, sein Ton und sein Handeln. Kann ihn noch jemand schützen oder ist es bereits zu spät?

Sehr realitätsnah beschreibt John Boyne diese Zeit und Pierrots Veränderung. Natürlich ist das meiste der Geschichte fiktiv, aber die Grundlagen des Romans beruhen auf Tatsachen. So hatte Adolf Hitler damals eine Sommerresidenz auf den Berghof in Obersalzberg und auch einen Schäferhund namens Goldie. Auch die Menschen mit denen Adolf Hitler erschreckende Gespräche führt, haben wirklich existiert. Außerdem ist dem Autor die Einteilung des Buches in drei Zeitabschnitte sehr gut gelungen. John Boyne erzählt seine Geschichte über Jahre hinweg und lässt seine Leser so an der Entwicklung des Jungen teilhaben.

Wie schon in seinem Buch "Der Junge im gestreiften Pyjama", das auch von einem Jungen in der Zeit des 2. Weltkriegs handelt, hat John Boyne erneut ein literarisches Meisterwerk geschaffen.

Aufgrund der schrecklichen Ansichten und Taten Adolf Hitlers und seiner Anhänger, würde ich das Buch ab 14 Jahren empfehlen.

Buchcover: Illuminae - Die Illuminae Akten-01

Amie Kaufmann und Jay Kristoff: Illuminae – Die Illuminae-Akten 01

In dem Buch geht es um Kady Grant. Sie hat sich gerade von ihrem Freund Ezra Mason getrennt und will nie wieder ein Wort mit ihm reden. Eines Tages wird ihr Heimatplanet Kerenza angegriffen. Kady und Ezra verlieren sich jedoch bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch sie werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt.

Außerdem wird ein Virus bei dem Angriff mit biochemischen Waffen freigesetzt, welcher mit grauenhaften Folgen mutiert. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuern kann. Doch leider ist AIDAN bei dem Angriff außer Kontrolle geraten und übernimmt nun das Kommando. All das und noch vieles mehr wird von dem Führungsstab vertuscht. Kady versucht herauszufinden, was vor sich geht, doch dazu braucht sie Ezras Hilfe. Also wendet sich Kady an ihn, obwohl sie eigentlich nie wieder mit ihm reden wollte…

Der Schreibstil des Buches ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Es besteht aus Chat- und Mailverläufen, Berichten, Verhören, Bauplänen und noch vielem mehr. Außerdem gibt es keine Kapitel und jede Seite ist anders gestaltet, sowohl vom Layout als auch von der Schriftart her. Zwischendurch gibt es Zeichnungen. Es werden Themen, wie Roboter, Raumschiffe, künstliche Intelligenz und aus aktuellem Anlass auch die Vertuschung von Staatsangelegenheiten behandelt.