Geschriebener Satz

Aus Schreibspielen werden Geschichten

Wie bereits in den vorangegangenen Schreibwerkstätten im Juni und Juli, entstanden auch am 24. August 2019 mit Schreibspielen und allerlei Fantasie und Spaß kleine Geschichten in der Jugendbibliothek Hoeb4U.

Durch eines der dort gespielten Schreibspiele, dem "Genre-Mix", bei dem alle Teilnehmer in einem vorgegebenen Genre anfangen eine Geschichte zu schreiben und dann an den nächsten Schreibenden weitergeben, damit dieser in einem anderen Genre die Geschichte fortsetzt, entstand die nachfolgende Geschichte. Sie besteht aus den drei Genres "Liebesroman", "Abenteuer" und "Horror" – und hat ein ganz anderes Ende, als man ursprünglich vermuten würde.

Hier könnt ihr die Geschichte lesen: Gegen Mittag, als unser Zug am letzten Halt vor Paris Pause machte, passierte zum ersten Mal etwas Aufregendes. Oder, besser gesagt, Jemand aufregendes. Er betrat das Abteil mit nichts an Gepäck als einer Umhängetasche, setzte sich mir gegenüber und lächelte mich an. Ich erwiderte das Lächeln flüchtig. Dann tat ich so, als würde ich aus dem Fenster sehen, aber eigentlich betrachtete ich mein Gegenüber in der Spiegelung. Zerzauste dunkle Haare, ein eleganter, körperbetonter Wollpullover und ein Ausdruck in den Augen, der… - ich hatte keine Worte dafür.

Ich sah ihn direkt an und sofort trafen sich unsere Blicke. Wir mussten beide lachen. "Was will jemand wie Sie in Paris?", fragte er. Ich zog eine Augenbraue hoch. "Was soll das denn heißen?" "Sie sehen nicht nach Paris aus." "Wonach denn dann?" "Ich weiß nicht genau, Wandern vielleicht, Klettern, Backpacking durchs Land. Abenteuer. Nicht eine aufpolierte Touristenfalle wie Paris".

"In Paris kann man auch Abenteuer erleben", erwiderte ich amüsiert. Er hatte ja schon irgendwie Recht. "Das haben Sie also vor?" Er lächelte. "Ein Pariser Abenteuer?" "So ähnlich. Ich wohne dort." "Oh." Er verstummte, peinlich berührt. Er tat mir fast Leid.

"Keine Sorge", lachte ich. "Ich reise wirklich viel. Ein Abenteuer nach dem nächsten, wie Sie sagten." Na ja, vielleicht mit ein bisschen weniger Spaß. Wenn man Verbrecher durchs ganze Land verfolgt, konnte es auch mal wirklich anstrengend werden. Doch man sah sehr viel von der Landschaft und der Bevölkerung. Abenteuerlich war es jedes Mal, insbesondere bei Verfolgungsjagden.

Der nette Konversationspartner setzte eben zu einem neuen Satz an, als er plötzlich in meinem Rücken am Ende des Abteils etwas bemerkte. Alles was ich hörte war ein lautes Rumpeln, dann ein Aufschrei. "Haltet ihn auf!!" Ich drehte mich halb auf meinem Sitz um, sah den den Gang runterlaufenden Mann und stellte ihm ein Bein.

Der Mann stürzte und zog den gesamten Zug mit in die Dunkelheit, in eine Albtraumwelt. Ich sah meinen Sitzpartner an, um dessen Reaktion zu sehen. Er sah genauso verängstigt aus, bis er kurz darauf mehr Augen bekam, mit einem Kiefer sein kompletter Kopf umklappte, sich sein Gebiss entblößte und er auf mich zu gerasselt kam. Ich reagierte zum Glück schnell und stieg durch das Fenster, dessen Scheibe sich in Essig aufgelöst hatte. Ich stieg schnell auf das Dach des Zuges und floh vor den Kreaturen hinter mir. Als ich den Blick nach vorne richtete, sah ich, dass der Zug noch unendlich lang weiter ging. Ich würde laufen müssen, bis mir die Beine versagen würden. Willkommen in Paris.