Autorenlesung in einer Bücherhalle

Autorenlesung: "Drang nach Osten"

Artur Becker las im Rahmen der literatur altonale am Abend des 12. Juni 2019 in der Bücherhalle Holstenstraße aus seinem aktuellen Roman "Drang nach Osten". Journalist Pawel Sprawka stellte den "polnischen Schriftsteller deutscher Sprache" wie sich dieser gern bezeichnet, vor und moderierte souverän die Literaturveranstaltung.

Moderator und Autor wurden beide 1968 in Masuren / Polen geboren. Artur Becker zog nach Kindheit und Jugend im Sozialismus 1985 nach Deutschland und lebt heute mit seiner Familie in Bremen. Seit 20 Jahren schreibt er Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze in deutscher Sprache und wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Zusätzlich ist er als Publizist und auf Lesereisen unterwegs. Nach 600 Lesungen hat er nach eigenen Angaben aufgehört zu zählen, so wunderte es nicht, dass Pawel Sprawka ihn als "schreibenden Tausendsassa" bezeichnete.

Artur Beckers Bücher thematisieren vielschichtig und kenntnisreich das komplexe deutsch-polnische Verhältnis, ohne einfache Lösungen anbieten zu wollen, zu verurteilen oder zu bewerten. In seinem autobiografisch gefärbten Roman "Drang nach Osten" begibt er sich in mehreren Erzählebenen auf die Spuren seiner Familie.

Wie der Autor lebt auch sein Protagonist, der Historiker und Schriftsteller Arthur Becker in Bremen. Für Recherchen besucht er seinen Onkel Stanisław in Kalifornien und erfährt von dem ehemaligen Stalinisten, dass dieser 1945 freiheitshungrige Menschen gefoltert hat, darunter auch Arthurs polnischen Großvater. Schockiert beschließt Arthur sein nächstes Buch den Schicksalen seiner Großeltern zu widmen, die damals in Masuren ein neues Leben begonnen haben.

In seinen ausgewählten Textpassagen, beschreibt Artur Becker drastisch und realistisch die Geschehnisse unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs. Er schildert die entsetzlichen Erlebnisse und Handlungen von Menschen, die Flucht und Vertreibung erleben müssen und versuchen zu überleben. Er fragt sich, woher all das Böse kommt und welcher Preis für die Freiheit zu zahlen ist.

Die betroffen machenden Textauszüge prägten auch das sich anschließende, interessante Gespräch. Dabei standen die deutsch-polnischen Befindlichkeiten im Mittelpunkt, die bis heute nicht einfach sind. Artur Becker beleuchtete unterschiedliche Sichtweisen und Denkansätze und zog am Ende ein Fazit, dem sich die Anwesenden anschließen konnten: "Versöhnung ist die einzige Lösung".

Auch auf die vielschichtige Frage was für ihn Heimat sei, hatte er eine überraschende Antwort: "Deutschland ist meine Heimat, Polen mein Zuhause. Aber in Zeiten des globalen Klimawandels ist diese Frage nicht entscheidend. Der Planet Erde ist unsere Heimat, und die können wir nur durch gemeinsames Handeln retten."

Wir danken dem Bauverein der Elbgemeinden, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg e.V. und Katrin Weiland/literatur altonale für die freundliche Unterstützung. Veranstaltung in Kooperation mit dem Literaturzentrum Hamburg. Der Büchertisch wurde von der Buchhandlung Christiansen gestellt.