50 Jahre Bücherhallengeschichte

Öffentliche Bücherhalle

Anlässlich des 50. Geburtstag der Bücherhalle Langenhorn, der am 23. und 24. Mai 2013 gefeiert wurde, haben wir für Sie, liebe Kunden, einen kleinen Rückblick auf die Geschichte der Bücherhalle zusammengestellt.

Die berühmteste Persönlichkeit Langenhorns, Altkanzler Helmut Schmidt schrieb in einem Vorwort über den Stadtteil Langenhorn: "Wer aber unsere Geschichte nicht kennt, der kann nicht wissen, wie wir unsere Zukunft gestalten sollen". (Zitat aus: "Langenhorn im Wandel" von Michael Ebert und Thomas Glatzer)

Langenhorn gehört seit 1332 zu Hamburg, wurde aber erst am 1. Januar 1913 ein Stadtteil von Hamburg. Für die Langenhorner Bürger gab es am Rand von Langenhorn Volksbüchereien: Die 1905 gegründete Volksbücherei in Fuhlsbüttel, im Norden von Langenhorn die Bücherei am Tweeltenbek sowie die beiden nebenamtlich geleiteten Büchereien in den Schulen Langenhorner Chaussee und Timmerloh.

Aus der 1908 gegründeten Volksbücherei in der Süderschule, Langenhorner Chaussee 140, ging 1963 die Bücherhalle Langenhorn hervor. Den wenigen verbliebenen Aufzeichnungen kann entnommen werden, dass der Anfangsbuchbestand der Volksbücherei Süderschule weniger als 2.000 Bücher betrug. Träger waren die Gemeinde Langenhorn und der Bürgerverein von 1877.

1937 umfasste der Bestand immer noch die gleiche Anzahl und es gab etwa 140 aktive Leser. Während der Öffnungszeit, donnerstags von 17 bis 19 Uhr, wurden durchschnittlich 60 bis 70 Bücher ausgeliehen. Weitere, zum Teil handschriftliche Briefe und Notizen, geben Auskunft über die Bestandszahlen in der Zeit von 1942 bis 1962. Zugleich ist daraus die Anzahl der Leser zu ersehen, die Höhe des Etats und die damaligen Ausleihzahlen.

Nach dem Krieg wurde die Volksbücherei am 18. Juni 1946, mit Genehmigung der Britischen Militärregierung wieder eröffnet. 334 Bücher mit eindeutig nationalsozialistischem Inhalt wurden aussortiert und vernichtet. Im ersten Jahrzehnt nach dem 2. Weltkrieg gab es Bestrebungen, die Volksbücherei zu vergrößern und die Öffnungsstunden auszuweiten. Mit Hilfe der Hamburger Kulturbehörde und der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen gelang es 1963 endlich, eine "richtige" Bücherhalle im Stadtteil Langenhorn zu installieren.

Am 23. Mai 1963 wurde die Bücherhalle von Dr. Joerden, dem damaligen Direktor der Bücherhallen eröffnet. Auf 280 Quadratmetern Ausleihfläche wurde ein Bestand von 16.000 Büchern im Bürgerhaus in der Tangstedter Landstraße 41 präsentiert.

Mit der Entwicklung der Bücherhalle ging es nun rasch aufwärts. Die Langenhorner Bürger, Kinder und Erwachsene, nutzten die Buchbestände so gut, dass zwei Jahre später mehr als 100.000 Bände pro Jahr ausgeliehen wurden. 1973 war der Bestand bereits auf 33.000 Bände angewachsen und es war abzusehen, dass die Räumlichkeiten bald zu eng werden würden. Daher gab es immer wieder Überlegungen, die Bücherhalle an einen anderen Standort zu verlegen, zum Beispiel in den Neubau an der U-Bahn Langenhorn-Mitte. Später kam das Einkaufzentrum Langenhorn-Markt am Krohnstieg ins Gespräch.

1997 zogen die Bücherhallen Langenhorn-Mitte und Langenhorn-Nord (Holitzberg) gemeinsam am neuen Standort Langenhorner Markt 9 ein. Anlass waren die Sparauflagen des Hamburger Senats: Kompensierung und Zusammenlegung waren die neuen Schlagworte mit denen das Sparen umschrieben wurden. Viele Bücherhallen wurden in den folgenden Jahren geschlossen und auch Zusammenlegungen bedeuteten stets den Wegfall einer Bibliothek. Auf der Einweihungsfeier der neuen Bücherhalle Langenhorn im Februar 1997 mit der damaligen Kultursenatorin Christina Weiss stand der Schriftsteller Helmuth Warnke auf und bemerkte an Kultursenatorin Christina Weiss gerichtet: "Eine Schließung ist unwiderrufbar und bedeutet einen kulturellen Verlust für jeden betroffenen Stadtteil!"

Seit der Zusammenlegung der beiden Langenhorner Bücherhallen stehen der Bibliothek 420 Quadratmeter für Büro- und Ausleihfläche zur Verfügung. Der Bestand umfasst heute rund 30.000 Medien, die Ausleihe liegt bei 230.000 Medien pro Jahr. Etwa 41.000 Menschen leben in Langenhorn, die Bücherhalle zählt pro Jahr rund 86.000 Besucher. Längst geht das Aufgabenspektrum öffentlicher Bibliotheken weit über das Verleihen von Medien hinaus.

Die Installierung der "Informationsinsel" bietet den Langenhorner Bücherhallenkunden an mehreren PCs Zugang zu den "Digitalen Angeboten" der Bücherhallen, die Möglichkeit gegen Gebühr im Internet zu recherchieren oder MS Office 2010 zu nutzen.

Neben der Medien- und Informationsvermittlung ist auch in der Bücherhalle Langenhorn die Öffnung für Gruppen und Initiativen fest im Arbeitsalltag verankert. Einmal wöchentlich trifft sich zum Beispiel die Gesprächsgruppe "Dialog in Deutsch" in der Bücherhalle. Unter Anleitung Ehrenamtlicher haben Erwachsene mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und ihre Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden und zu erweitern. Das alles in zwangloser Atmosphäre, ohne vorherige Anmeldung und kostenfrei.

Kinder und Jugendliche werden zweimal wöchentlich in der Bibliothek unterrichtet in "Deutsch als Zweitsprache". Der Kurs des Interkulturellen Schülerseminars der Universität Hamburg ist ein Mentorenprojekt zur sprachlichen Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Regelmäßige Klassenführungen sowie Leseförderungsangebote für Kitas sind selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit. Veranstaltungen für Kinder unterschiedlicher Altersstufen und für Erwachsene ergänzen die Angebote der Bücherhalle.

Durch die technischen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bücherhallenalltag stark verändert. Die Entwicklung von der sogenannten "Handverbuchung" mit Leseheft, hin zur "Fotoverbuchung" mit Lochkarten, bis zum EDV gestützten Verbuchungssystem mit vielen Selbstbedienungsfunktionen für die Kunden, hat neue Arbeitsinhalte geschaffen - andere sind weggefallen. Die Mitarbeiter der Bücherhallen befinden sich in einem ständigen Veränderungsprozess, den sie bisher mit Interesse und großem Engagement meistern.