Geschichte der Bücherhalle Eppendorf

Schwimmhalle Goernestrasse

Am 1. Juni 1927 wurde die siebente Bücherhalle, die erste nach dem Krieg, im Gebäude der Badeanstalt Goernestraße 21 eröffnet. Sie hatte einen Bestand von zunächst 10.400 Bänden. Belletristik und Jugendliteratur wurden mit Hilfe des Indikators ausgeliehen, für die "belehrende Literatur" gab es einen Freihand-Bereich.

Obgleich die Räume nicht groß waren und im 2. Stock lagen, fand sich bald eine große Zahl von Lesern. Die Nähe mehrerer Schulen, sowie die Verkehrslage in unmittelbarer Nähe einer Hochbahnstation machten sich günstig bemerkbar.

Es zeigte sich, dass nicht nur Angehörige des Arbeiter- und Handwerkerstandes als Leser in Betracht kamen, sondern dass ebenso in den Kreisen des intellektuellen Mittelstandes ein großes Interesse vorlag. Entsprechend den Ansprüchen dieser Leserschaft, die den größten Prozentsatz an Akademikern aufwies, wurde der Buchbestand im Laufe der Jahre ausgebaut.

Die Leitung wurde der Bibliothekarin Lilli Volbehr übertragen, die auch die Einrichtungsarbeiten leitete; ab 1936 wurde die Bücherhalle von der Bibliothekarin Marie Friedrich geleitet.

Die Eppendorfer Bücherhalle blieb, wie der ganze Stadtteil, von den Luftangriffen 1943 verschont. Da aber der Hauseigentümer, die Wasserwerke, ihre Räume zurückverlangten, musste die Bücherhalle ab September 1943 provisorisch im Völkerkunde-Museum an der Rothenbaumchaussee untergebracht werden. Diese Räume wurden im Sommer 1945 von den Engländern beschlagnahmt. Länger als ein Jahr, bis zur Wiedereröffnung am 1. November 1946 in der Schule Hegestieg 3, blieben die wertvollen Bücherbestände der Bevölkerung entzogen.

Mit 20.000 Bänden war die Bücherhalle Eppendorf eine der größten Bücherhallen in Hamburg. Durch Entgegenkommen der Schulbehörde hatte die Bücherhalle in zwei Klassenräumen der Oberschule Hegestieg eine Notunterkunft gefunden. Auf den verfügbaren 120 qm mussten die Bücher in äußerster Enge zusammengedrängt werden, so dass die Benutzer kaum Bewegungsfreiheit hatten. Infolgedessen musste die Freihand aufgegeben werden.

Erst 1963 zog die Bücherhalle in ein neues Bibliotheksgebäude an der Lenhartzstraße. Das Gebäude zeugte von besonderem architektonischem Anspruch. Der in klare Funktionsbereiche gegliederte, von hellen Ziegelwänden und Glasfronten geprägte Baukörper gruppierte sich um einen Gartenhof. Zur Inneneinrichtung schrieb Rolf Lange: "Qualitätsvolles skandinavisches Design verdeutlicht den Anspruch, mit dem seinerzeit Bibliotheken eingerichtet wurden".

1996 beschloss der Verwaltungsrat der Stiftung Hamburger Öffentlichen Bücherhallen die Zusammenlegung der Bücherhallen Eppendorf und Winterhude. 1997 fiel die Bücherhalle trotz massiver Bürgerproteste den Sparmaßnahmen zum Opfer und wurde geschlossen.

Am 1. 4. 1998 wurde die zusammengelegte Bücherhalle Winterhude-Eppendorf am Winterhuder Marktplatz im Einkaufszentrum "Forum Winterhude" eröffnet.

Quellen: "Hamburgs Bücherhallen - Eine Jahrhundertgeschichte" von Matthias Gretzschel und Anne Buhrfeind und "Hamburger Öffentliche Bücherhallen 1899-1949".