Porträtzeichnungen

Gegen das Vergessen

Am 1. September 2019 jährte sich zum 80. Mal der Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann. Anlass sich zu erinnern und der Opfer zu gedenken.

Die Zentralbibliothek zeigte vom 03. bis 20. September die Ausstellung "Zeich(n)en gegen das Vergessen", die insbesondere an die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma erinnert. In beeindruckenden Bildern präsentierte der österreichische Künstler Manfred Bockelmann eine Auswahl seiner Porträtzeichnungen von KZ-Opfern. Schüler*innen des Wilhelmsburger Helmut-Schmidt-Gymnasiums haben bewegende Gedichte zu den ausgestellten Bildern verfasst.

Begleitend zur Ausstellung fand am Abend des 06. September unter dem Titel "Wo sind eure Lieder, eure alten Lieder?" ein besonderes Konzert statt. Das Kako Weiss Ensemble (Kako Weiss/Saxofon, Buggy Braune/Klavier, Patrick Pagels/Gitarre, Thomas Biller/Bass) spielte alte Weisen der Sinti, die an das Leben in der Natur erinnerten, von Liebe, Streit, Gott und den Menschen erzählten. Moderiert wurde der musikalische Gedenkabend von Christiane Richers / Theater am Strom.

Am Abend des 13. September hatten interessierte Besucher Gelegenheit, die Voraufführung von "Rosa begegnen - Überlebensgeschichte einer Hamburger Sintiza" zu erleben. Die Premiere der szenischen Lesung des Theater am Strom, die in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung entstanden ist, findet am 18. Oktober 2019 im Ernst Deutsch Theater statt.

Gesche Groth (Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin) und Christiane Richers (Autorin, Regisseurin und Theaterpädagogin) haben sich auf Spurensuche der Sintiza Amanda Kila Rosa Mechau begeben und trugen biografische Splitter aus Rosas Leben unter den Nationalsozialisten und in der Nachkriegszeit vor. Musikalisch begleitet wurden sie von Dieter Gostischa (Drums) und Kako Weiss (Saxofon).

Amanda Kila Rosa Mechau wurde 1940 mit ihrer gesamten Familie von Hamburg ins KZ Bełżec deportiert. Dort mussten die Verschleppten das Lager selbst errichten. Der harten Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen fielen unzählige Menschen zum Opfer. Rosas zwei Töchter verhungerten im Vernichtungslager. Rosa überlebte und machte sich nach Kriegsende mit ihren beiden Söhnen zu Fuß auf den Weg von Polen nach Hamburg-Wilhelmsburg.

An die bewegende Inszenierung schloss sich ein informatives Gespräch zwischen Darstellern und Publikum an, mit dem die Veranstaltung endete.

Über die Vernichtung von Sinti und Roma-Familien im Zweiten Weltkrieg erfahren Schüler*innen in den Geschichtsbüchern ihrer Schulen auch 2019 fast nichts. Eine gemeinsame Erinnerungskultur der verschiedenen Opfergruppen existiert bis heute nicht.

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