Eine Gruppe Menschen.

UNESCO-Welttag der Alphabetisierung

Anlässlich des UNESCO-Welttags der Alphabetisierung fand heute, am 7. September 2018, in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg eine Lesung mit anschließendem Podiumsgespräch über die Situation so genannter funktionaler Analphabeten statt.

In Deutschland leben 7,5 Millionen Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen – das ist jeder Siebte. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wenn Menschen durchs Raster fallen: Lesen ist die Grundlage für kulturelle Teilhabe

"Lesen und Schreiben ist in unserer komplexen Welt unverzichtbar. Wer diese Kulturtechniken nicht zuverlässig beherrscht, ist auch in unserer Zeit der zunehmenden Digitalisierung von wichtigen Informationen und Kommunikationszusammenhängen ausgeschlossen. Daher ist es so wichtig, dass Institutionen wie die Hamburger Volkshochschule oder die Bücherhallen Hamburg Angebote zur Alphabetisierung bereitstellen. Sie gehören zu einem Kreis engagierter Akteure, die in einer langjährig bewährten Kooperation mit Fachkompetenz und Kreativität dafür sorgen, dass Lesen und Schreiben als Bereicherung des Lebens und wichtige Voraussetzung der Teilhabe verstanden und genutzt werden", so Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, in seinem Grußwort.

Bei einem Podiumsgespräch diskutierten vier Expertinnen über die Ursachen und Konsequenzen von funktionalem Analphabetismus in unserer Gesellschaft. Das größte Problem sei nach wie vor, dass das Thema mit vielen Vorurteilen behaftet und tabuisiert sei. "Funktionaler Analphabetismus ist kein Problem von Randgruppen oder Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund. 58 Prozent der Betroffenen sprechen Deutsch als Erstsprache, sie arbeiten und versuchen ihren Alltag auch ohne Schrift zu bewältigen", bestätigt Prof. Dr. Wibke Riekmann, Co-Autorin der Leo.Level-One Studie der Universität Hamburg.

Textpassagen aus den beiden Büchern von Karin Ahmad Moering, die selbst jahrelang nicht richtig Lesen und Schreiben konnte, verdeutlichten eindringlich, welchem ständigen Druck und welcher Angst vor Entdeckung diese Menschen ausgesetzt. sind. Zu den Folgen zählt häufig der Rückzug aus der Gesellschaft mit all seinen Konsequenzen. Die Lebensgeschichte von Frau Ahmad Moering, in der die Autorin ihre Fortschritte auf ihrem individuellen Bildungsweg beschreibt, macht Mut und zeigt, dass es nie zu spät ist, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen.

Titelfoto: Sebastian Hartz