Mapplethorpe: Look at the Pictures

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Inhalt: Das wohl berühmteste Foto von Musik-Ikone Patti Smith stammt von Robert Mapplethorpe. Es ist das Cover ihrer LP "Horses" und zeigt sie lässig, ein Jackett über die Schulter geworfen. Lässig ist auch Mapplethorpes berühmtes Selbstporträt mit Zigarette. Doch die Lässigkeit war Pose. Robert Mapplethorpe führte ein atemloses Leben. Er war, so erzählt es der Film, getrieben von Hunger nach Anerkennung, Sex - und Geld. Geboren 1946 als drittes von sechs Kindern einer katholischen Arbeiterfamilie, erlebte er eine Kindheit in Armut. Arm blieb er auch während seines Kunststudiums am Pratt Institute in Brooklyn. Hier widmete er sich der Fächer Zeichnen, Malerei und Bildhauerei. Und er traf Patti Smith. Mit der Musikerin verband ihn die erste in einer langen Reihe prägender, bald meist homosexueller Liebesbeziehungen, die er freilich nicht monogam lebte. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre widmete er sich der Sofortbildfotografie, die in dieser Zeit erschwinglich wurde. Mapplethorpe setzte alles daran, als Künstler anerkannt und berühmt zu werden. Später setzte er ganz kalkuliert auch schockierende Bilder ein, die ihm Aufmerksamkeit, aber auch die Verachtung konservativer Kreise einbrachte. Der Film versammelt viele einflussreiche Freunde und Förderer Mapplethorpes, darunter Sam Wagstaff, David Croland, Jack Fritscher, Lisa Lyon, Marcus Leatherdale und Jack Walls. Mapplethorpe starb im Frühjahr 1989 im Alter von 42 Jahren in Boston, Massachusetts, an AIDS, für das es damals noch keinerlei Aussicht auf Heilung gab. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod erkunden die Filmemacher Fenton Bailey und Randy Barbato Mapplethorpes Leben und Werk. Dabei blicken sie auch auf einen erbittert geführten Kulturkampf zurück. Ganz Kind der 68er, liebte Mapplethorpe die Provokation. Explizit zur Schau gestellte (Homo-)Sexualität, freizügige Fotografien von Nacktheit und Fetisch machen sein Werk ebenso aus wie stilisierte, erotisierende Naturdarstellungen und einfühlsame Porträts. Mapplethorpe veranstaltete oft zwei Ausstellungen gleichzeitig: Während er in Uptown-New York Gesellschaftsporträts und zarte Blumenstillleben ausstellte, zeigte er anderswo in der Stadt seine sexuell expliziten Fotografien. Seine umstrittenste Arbeit war eine Chronik der BDSM-Szene (Bondage, Dominanz und Unterwerfung, Sadomasochismus) im New York der späten 1970er Jahre. Mapplethorpe selbst hielt diese Arbeit für seine wichtigste. Die Fotografien, die manche als anstößig oder obszön empfanden, lösten eine landesweite Debatte über die öffentliche Finanzierung von Kunst aus. Für den republikanische Senator Jesse Helms waren sie der Inbegriff verdammungswürdiger Dekadenz. 1988, wenige Monate vor Mapplethorpees Tod, zeigte das Whitney Museum of American Art seine erste große Museumsretrospektive in den USA. Kurz vor seinem Tod gestaltete Mapplethorpe selbst noch eine letzte Ausstellung: "The Perfect Moment" sollte in einem musealen Rahmen erstmals Aspekte seines Werkes an einem Ort zusammenführen, die vorher streng getrennt waren: Bilder von Blumen, S&M-Bilder und männliche afroamerikanische Akte. Doch die Corcoran Gallery of Art in Washington, D.C. sagte die Ausstellung nach einer Kampagne des offen homophoben Senators Jesse ab. Kurz darauf sorgten Proteste gegen einen Mapplethorpe-Ausstellung im Contemporary Arts Center (CAC) von Cincinnati für Aufsehen. Das CAC und sein Direktor Dennis Barrie wurden wegen Obszönität angeklagt. Die Prozesse endeten mit Freisprüchen. Mehr als ein Vierteljahrhundert später müssen Mapplethorpe-Kuratoren solche Turbulenzen nicht mehr befürchten. 2016 veranstaltete das J. Paul Getty Museum und das Los Angeles County Museum of Art (LAKMA) unter dem Titel "The Perfect Medium" eine Retrospektive des Künstlers. Die Vorbereitungen für die Schau bilden den Rahmen des Films, der sich auf umfangreichen Zugang zu Mapplethorpes Werk stützt, das von in einer Stiftung bewahrt und gepflegt wird. Der Film zeigt auch die schockierendsten Bilder des Fotografen unverhüllt. In neu entdeckten Audio-Interviews kommt Mapplethorpe selbst zu Wort. Seine ältere Schwester Nancy äußert sich ebenso wie sein jüngsten Bruder Edward, viele Jahre lang als Foto-Assistent mit Robert arbeitete und damit für einen Großteil der technischen Exzellenz seiner Fotografie verantwortlich zeichnete. Heute arbeitet er selbst als Künstler. In Archivmaterial ist der Kunstsammler und Kurator Sam Wagstaff (1921-1987) zu sehen. Wagstaff traf Mapplethorpe Anfang der 1970er Jahre, als dieser etwa 25 Jahre alt war. Er wurde sein künstlerischer Mentor, Mäzen und auch einer seiner zahlreichen Lebenspartner. Auch mit dem Autoren, Aktivisten und Pop-Kultur-ForscherJack Fritscher und dem Maler Jack Walls war Mapplethorpe liiert. Walls stand Mapplethorpe auch Modell, ebenso wie Marcus Leatherdale, der zeitweise als Mapplethorpes Büromanager und Sam Wagstaffs Kuratoren-Assistent fungierte und heute selbst ein geachteter Fotograf ist. Auch die Galeristin Mary Boone, die Schauspielerin Brooke Shields, das Künstlerpaar Helen und Brice Marden, Fran Lebowitz als Autorin und quintessentielle New Yorkerin äußern sich, ebenso wie Gloria von Thurn und Taxis - und "Blondie"-Lead-Sängerin Debbie Harry. Die Regie für diesen Film führten das Duo Fenton Bailey und Randy Barbato, zu deren weiteren Werken "Inside Deep Throat", "Party Monster", "Wishful Drinking" und "The Eyes of Tammy Faye" gehören. Produzentin war Katharina Otto-Bernstein ("Absolute Wilson", "Beautopia").